Auf ein Neues!

Liebe Leserinnen und Leser!

Das neue Jahr verheißt nichts Gutes für die saarländische Bildungspolitik. Die beschlossenen Einsparungen im Schul- und Hochschulbereich haben das Saarland in seiner Bedeutung als eigenständiges Bundesland weiter geschwächt.

Aus Großem Kleinholz machen
Es muss schon als Verzweiflungsakt gewertet werden, wenn gerade dort kräftig gekürzt wird, wo die Zukunft aufgebaut wird. Schulen und Hochschulen sind tragende Säulen unserer Gesellschaft. Die Überlebensfähigkeit des Saarlandes als Bundesland wird nicht durch eine kostenaufwändige Imagekampagne hergestellt, sondern durch optimale Bedingungen für die Menschen, die hier leben, hier arbeiten, hier ihre Kinder in die Schule schicken. Sicherlich muss das Saarland von seinen Altschulden entlastet werden, damit die vom Grundgesetz geforderte Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in den Bundesländern gewährleistet ist. Angesichts der sich häufenden Skandale und Bausünden muss aber auch gefragt werden, ob das Land überhaupt noch fähig ist, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Von einer souveränen Staatsführung ist jedenfalls nicht mehr viel zu spüren. Hier eine kleine Aufzählung der schlimmsten Verfehlungen:

Museumsanbau 4. Pavillion
Das Gebäude gilt inzwischen als Symbol für Misswirtschaft und Korruption. Ursprünglich sollte es 9 Millionen Euro kosten. Inzwischen geht man, die Kosten für den Baustopp seit 2011 eingerechnet, schon von der dreifachen Summe aus. Gründe für die Preisexplosion sind Vetternwirtschaft bei der Auftragsvergabe, vorsätzliche Verschleierung der Kosten und üble Verschwendung von Steuergeldern, was erst der Rechnungshof aufdecken musste. Die politische Aufarbeitung dieses Skandals ist bis heute nicht abgeschlossen.

Gondwana

dinoEin Millionengrab wird wohl auch der Vergnügungspark Gondwana Prähistorium, der vom Land mit Unsummen an Steuergeldern subventioniert wurde. Der Park brachte bisher nicht annähernd das ein, was man sich erhofft hatte. Trotzdem finanzierte die Jamaika-Regierung eine zweite Halle samt Dia-Show mit 9,2 Millionen Euro. Der Betreiber sollte dafür Pacht bezahlen in Höhe von 30.000 Euro monatlich. Doch er zahlte nicht und steht beim Land inzwischen mit mehr als einer halben Million Euro in der Kreide. Auch der aufwändige Ausbau des Parks schafft wohl nicht die erhoffte Resonanz beim Publikum. Und mittlerweile hat sich sogar noch Konkurrenz aus Luxemburg angesagt. Dort soll demnächst ein ähnlicher Vergnügungspark entstehen.

Das ehemalige Kultusministerium

Das ehemalige Bildungsministerium an der Stadtautobahn

Das ehemalige Bildungsministerium an der Stadtautobahn

Das ehemalige französische Botschaftsgebäude des Avantgarde-Architekten Henri-Georges Pingusson, zwischen 1952 und 1954 gebaut, diente dem Saarland ab 1960 als Kultus- bzw. Bildungsministerium. Doch das denkmalgeschützte Gebäude direkt an der Stadtautobahn litt schwer unter dem Zahn der Zeit. In den Anfangsjahren gab es die Stadtautobahn noch nicht und später hatte man sich zunächst noch nicht vorstellen können, wie rasant der Schwerverkehr dort zunehmen würde. Heute brettern tagtäglich Hunderte von schweren LKWs in unmittelbarer Nähe des archtektonischen Schmuckstücks vorbei. In einigen Büros konnte man sogar leichte Erschütterungen feststellen. Doch erforderliche Sanierungsarbeiten wurden solange ignoriert, bis es dann auf einmal zu spät war: Die Statik stimmte nicht mehr, das Gebäude musste gestützt werden und es bestand Einsturzgefahr. Das komplette Bildungsministerium musste im April 2014 in die neu sanierten Räume der ehemaligen Alten Post umziehen. Eine Rückkehr in den Pergusson-Bau war anfangs noch nach 5 Jahren vorgesehen. Doch diese Terminierung ist schon jetzt nicht mehr zu halten. Inzwischen zahlt das Land die Mieten für die Alte Post und zusätzlich noch die Unterhaltungskosten für das leerstehende Gebäude an der Stadtautobahn. Ob das ehemalige Botschaftsgebäude überhaupt jemals saniert wird, steht offenbar noch in den Sternen. Denn auch hier sind ausufernde Kosten zu befürchten. Es kursieren Zahlen in Höhe von 40 Millionen Euro. Die sind wohl nach außen hin nicht vertretbar und daher wird im alten Ministerium wohl noch eine ganze Zeitlang der Kalk von den Wänden rieseln, bis endlich etwas passiert …

Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW)
Hier ist es genau umgekehrt. Das aufwändig sanierte ehemalige Gesundheitsamt an der Malstatter Brücke ist als neuer Standort für die Hochschule für Technik und Wirtschaft bezugsfertig und komplett eingerichtet. Schon im Jahr 2013 sollten mit dem Einzug in das neue Gebäude die bisherigen Raumprobleme der HTW endlich der Vergangenheit angehören. Doch daraus wurde nichts. Bei der Planung des neuen HTW-Hochhauses wurde die Zahl der Studenten, die das Gebäude maximal aufnehmen kann, zu niedrig angesetzt. Deshalb reicht nun der Brandschutz nicht aus. Die Stadt Saarbrücken verweigert die Bezugsgenehmigung. Jetzt gibt es natürlich Streit zwischen Land und Vertragspartner. Doch lässt sich wie in vielen Fällen dieser Art hinterher nicht mehr genau sagen, wer letztlich für den Schildbürgerstreich verantwortlich ist. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Kommunikationpanne. Allerdings mit beträchtlichen finanziellen Folgen. Allein 25 Millionen Euro sollen Bau und Finanzierung gekostet haben. Hinzu kommen monatlich 40.000 Euro für den Betrieb und Unterhalt des ungenutzten Gebäudes sowie Mehrkosten für die erforderlichen Nachbesserungen im Brandschutz in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Und schließlich ist ja auch die vorübergehende Unterbringung von 400 HTW-Studenten der Wirtschaftswissenschaften in St. Ingbert nicht umsonst.

Meeresfischzucht Völklingen

fischzucht

Millionenschwere Fische

Die Stadt Völklingen baute 2006 eine Meeresfischzuchtanlage, die allerdings erst 2014 die ersten Fische liefern konnte. In der Zwischenzeit fielen für den Bau und die Unterhaltung der Anlage etwa 25 Millionen Euro an. Jetzt sollen endlich die ersten Fische verkauft werden. Doch man hatte offensichtlich ganz vergessen, dass dafür auch Abnehmer erforderlich sind. Der Vertrieb wurde quasi bei der gesamten Planung völlig ausgeblendet. Die Fische sind zwar von guter Qualität aber viel zu teuer für den Massenverkauf. Und die Fischbude, die vor der Anlage steht, wird das Verkaufsproblem sicherlich nicht alleine lösen können …

Grabesstille
Die Große Koalition aus CDU und SPD regiert im dritten Jahr ihrer Amtszeit nur noch auf der Basis  des kleinsten gemeinsamen Nenners. Obwohl jedem klar ist, dass die Schuldenbremse im Saarland niemals einzuhalten ist, wird gespart ohne Sinn und Verstand. Neben den Mittelkürzungen für die Universität und dem Stellenabbau bei den Lehrern soll im Saarland nun auch noch die Inklusion zum Nulltarif durchgesetzt werden.

Die erdrückende Mehrheit der Großen Koalition im Landtag lähmt jegliche Initiativen. Die Opposition verkümmert zur absoluten Bedeutungslosigkeit.

Die einzige Kritik an der Bildungspolitik der Landesregierung kommt ausgerechnet von Klaus Kessler, dem ehemaligen grünen Bildungsminister der Jamaika-Koalition. Kessler hofft auf das Kurzzeitgedächtnis der Wähler und kritisiert im Grunde nur die Spätfolgen der verfehlten Entscheidungen aus seiner eigenen Amtszeit.

Ansonsten herrscht Grabesstille. Und dafür sind leider auch die Gewerkschaften verantwortlich, die gerade in der jetzigen Situation eine entschiedene und konsequente Haltung vermissen lassen. Die GEW Saar gibt sich unverbindlich und übt verhaltene Kritik. Sie setzt sich nur noch inhaltlich mit strittigen Themen auseinander und vermeidet es, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Man will niemand auf die Füße treten, schon gar nicht den eigenen Genossen. Schließlich war die GEW hierzulande immer schon so etwas wie ein verlängerter Arm der SPD.

Das Saarland als kleinstes Bundesland leidet ganz besonders an diesem Parteienproporz. Und bei einer großen Koalition ist der Parteienfilz eben besonders groß.
Um so wichtiger wäre die Rolle der unabhängigen Presse. Doch von Unabhängigkeit kann nicht gesprochen werden, wenn es in einem Bundesland nur eine Zeitung gibt, die darüber entscheidet, was geschrieben werden darf. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, also weiterhin an einer inoffiziellen Sicht der Dinge interessiert sind, dann bleiben Sie uns treu und schauen Sie ab und zu mal bei PiSAAR rein. Unterstützen könnten Sie PiSAAR, indem Sie einen Kommentar schreiben. Ansonsten ist und bleibt PiSAAR nach wie vor völlig frei von kommerzieller Werbung. Es geht nur um die Sache. Ärgern Sie sich bitte nicht, wenn auch mal längere Zeit keine neuen Beiträge erscheinen. Leider ist der Blogger auch nur ein Mensch mit ganz normalen alltäglichen Verpflichtungen. Und dabei kommt das Schreiben oftmals zu kurz.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch ein glückliches und zufriedenes Jahr 2015

Muckraker

Die bildungspolitische Bankrotterklärung

Von den 2400 Stellen, die in den nächsten sieben Jahren zur Einhaltung der Schuldenbremse im Öffentlichen Dienst des Saarlandes abgebaut werden sollen, gehen etwa 1000 zu Lasten der Bildung. 588 Stellen fallen bei den Lehrkräften weg. Der Universität werden 21,1 Millionen Euro gestrichen, was in etwa dem Verlust von 422 Stellen entspricht. Knapp 42 Prozent der Einsparungen werden somit dazu beitragen, dass sich die ohnehin schon miserable Bildungssituation des Saarlandes weiter verschärft.

Flickschusterei

Schon jetzt ist an vielen saarländischen Schulen die Grenze des Zumutbaren erreicht. Unterrichtsausfälle häufen sich. Qualifizierte Lehrkräfte fehlen an vielen Stellen. Flickschusterei ist an der Tagesordnung, denn ein Großteil des Unterrichts muss durch unzureichend ausgebildetes Personal und befristete Kräfte abgedeckt werden. Allen voran die Referendare. Sie sollten im Ausbildungsunterricht den Lehrerberuf eigentlich erst mal von Grund auf lernen. Darauf wird jedoch keine Rücksicht genommen. Die Schulleitungen scheuen nicht davor zurück, sie von Anfang an mit bis zu 14 Unterrichtsstunden pro Woche für den ganz normalen Unterricht zu verbraten. Viele verlieren so schon zu Beginn ihrer Lehrerkarriere die Lust am Job und steigen frühzeitig aus.
Wenn Klassen zudem immer häufiger von Lehrkräften mit befristeten Verträgen unterrichtet werden, ist das besonders bedenklich im Hinblick auf die vielen Problemschüler. Gerade sie brauchen Kontinuität und sollten möglichst über mehrere Schuljahre hinweg von festen Bezugspersonen unterrichtet werden. Wer an der Schule nur ein kurzes Gastspiel gibt, wird in der Regel nicht akzeptiert.

 

Das Märchen von den 1400 Lehrerstellen

In dieser Situation, in der schon ein Großteil des Unterrichts von befristet Beschäftigten gehalten wird, sollen also bei den fest Beschäftigten in den nächsten Jahren noch fast 600 Stellen wegfallen. Ist das Ignoranz oder Blindheit?
Jedenfalls wird versucht, den Saarländern ein Märchen aufzutischen: 1400 Lehrerstellen würden allein schon durch den Rückgang der Schülerzahlen wegfallen. Es blieben also abzüglich der geplanten Streichungen immer noch 800 Stellen übrig, die den Kindertagesstätten, den Krippen, dem Kooperationsjahr und der Inklusion zu gute kommen sollen. Ja, damit könnten sogar die Klassengrößen weiter verringert werden! Doch das ist Bildungspolitik mit dem Taschenrechner, eine reine Milchmädchenrechnung, die sich ausschließlich auf die aktuelle Geburtenstatistik bezieht und den zusätzlichen Bedarf an Lehrkräften aus anderen Gründen vollkommen ignoriert.
Hilfreich ist an dieser Stelle ein Blick auf Nordrhein-Westfalen, wo sich die rot-grüne Landesregierung jetzt ebenfalls auf Kosten der Bildung sanieren will. Dort hat der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm in einem Gutachten festgestellt, dass trotz eines Schülerrückgangs von 16 Prozent bis zum Jahre 2019 durch zentrale Reformvorhaben wie beispielsweise die Inklusion sogar noch ein Zusatzbedarf von 4300 Fachkräften entstehe.
Dieser Zusatzbedarf dürfte im Saarland prozentual noch wesentlich höher sein. Denn im Vergleich zu NRW hat sich bei uns inzwischen ein weitaus größerer Reformstau gebildet, der erst einmal abgebaut werden müsste. Genannt seien nur:

  • die Umstrukturierung der Erweiterten Realschulen in Gemeinschaftsschulen
  • die Umsetzung der Inklusion, insbesondere an den saarländischen Grundschulen
  • der weitere Ausbau der Ganztagsschulen (das Saarland hat hier nach Bayern das schlechteste Angebot)
  • die Verabschiedung vom krampfhaften Festhalten an G8
  • die Abschaffung der Besoldungsnachteile (insbesondere bei der Eingangsbesoldung) gegenüber den anderen Bundesländern, um Abwanderungen zu vermeiden und damit die Voraussetzung zu schaffen, gut ausgebildete Lehrkräfte einstellen zu können
  • die Verbesserung der Arbeitsbedingungen älterer Lehrkräfte durch ein geeignetes Altersteilzeit-Modell. Hintergrund: Fast die Hälfte aller Lehrer an den saarländischen allgemein bildenden Schulen ist älter als 50 Jahre. Das Saarland hat zudem mit 39 Prozent bundesweit den mit Abstand größten Anteil an Lehrkräften, die vorzeitig in Ruhestand gehen oder besser gesagt: das Handtuch werfen.

Wo bleibt der Aufschrei?

Die genannten Stellenkürzungen wurden am 8. Juni von der Regierungskoalition aus CDU und SPD beschlossen. Mit am Tisch saßen auch die Vertreter der Gewerkschaften (außer Verdi). Geradezu fatalistisch wirkt die Reaktion des saarländischen GEW-Landesvorsitzenden Peter Balnis: man habe die Beschlüsse der Landesregierung zur Kenntnis genommen aber nicht gebilligt. Und der Saar-DGB-Vorsitzende Eugen Roth, der in Doppelfunktion noch für die SPD im Landtag sitzt, glänzt vor Zufriedenheit über das Erreichte. Es kam dann noch so ein Hauch von Kritik von Seiten der Oppositionsparteien. Und das war`s dann auch. Die bildungspolitische Bankrotterklärung hatte stattgefunden und niemand hat es richtig bemerkt …

Gespielte Entrüstung

Der Aufschrei der CDU gegen die von Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) ins Gespräch gebrachte Gebührenerhöhung für die sogenannte freiwillige Ganztagsschule ist nichts anderes als Verlogenheit und gespielte Entrüstung.

Die zu Zeiten der letzten CDU-Alleinregierung unter Peter Müller entstandene saarländische Form der Ganztagsschule wurde fälschlicherweise durch Gelder des Bundes aus dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung (IZBB)“ finanziert. Sie war niemals etwas anderes als eine reine Nachmittagsbetreuung. Um jedoch die Bundesgelder abrufen zu können, wurde dieser Nachmittagsbetreuung das Etikett „Ganztagsschule“ angeheftet. Der Ausbau echter Ganztagseinrichtungen, wie es das Investitionsprogramm vorsah, wurde schlichtweg ignoriert, weil solche Bildungsinvestitionen Folgekosten für das Saarland verursacht hätten. Wo hingegen das Land für die Nachmittagsbetreuung, die von außerschulischen Trägern durchgeführt wird, die Kosten auf die Eltern abwälzen kann.

Dem damaligen CDU-Bildungsminister Schreier wird demnach klar gewesen sein, dass die Eltern spätestens mit dem Auslaufen des Investitionsprogramms verstärkt zur Kasse gebeten werden müssen. Wenn die CDU sich also jetzt über zusätzliche Elterngebühren aufregt, kann dies nach einem halben Jahr Regierungszeit nur als erster Versuch gewertet werden, sich auf Kosten des SPD-Koalitionspartners zu profilieren. Man wird sehen: nachdem dieses Thema jetzt in der Regierungskoaltion erst mal bis zum Sommer auf Eis gelegt wurde, wird sich nächstes Jahr niemand mehr über die Gebührenerhöhung aufregen …

Saarland spart 1,8 Millionen Euro bei den Fahrtkosten für Harz-IV-Kinder

Beförderungskosten für Kinder aus Harz-IV-Familien sollen künftig vom Bund bezuschusst werden

Der Saarländische Landtag hat auf Antrag von Bildungsminister Kessler in seiner Sitzung vom 21. September mit den Stimmen der Regierungsparteien CDU, FDP und Grüne eine Kürzung der Fahrtkostenzuschüsse für die Schülerbeförderung beschlossen. Die jährlich veranschlagten Fördermittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro sollen in 2012 auf 1,3 Millionen und ab 2013 endgültig auf 600000 Euro reduziert werden.
Es handele sich jedoch, so wurde ausdrücklich hervorgehoben, nur um eine Verschiebung der Ausgaben auf den Bund. Denn die Fahrtkostenzuschüsse seien in dem Bildungspaket des Bundessozialministerums für Kinder aus Harz-IV-Familien bereits enthalten. Auf diese Weise, betonte Klaus Kessler, leiste das Bildungsministerum einen Sparbeitrag zur Einhaltung der Schuldenbremse, ohne dass Leistungen gekürzt werden müssten.

Unterdessen häuft sich die Kritik am Bildungspaket von Sozialministerin Von der Leyen (CDU). Fachleute halten die geplanten Hilfen für zu gering und völlig falsch konzipiert. Bemängelt wird vor allem das organisatorische Chaos bei der Antragstellung, das sich zudem alle 6 Monate wiederholt. Denn die Leistungen werden nur für ein halbes Jahr gewährt. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert eine Reform des Bildungspaketes. Das bereits seit Jahresbeginn laufende Programm sei gescheitert, so Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Gemäß einer Umfrage des Deutschen Städtetages seien bisher erst für 36 Prozent der berechtigten Kinder Leistungen beantragt worden.

Folgende Bezugsgruppen erhalten ihre Fahrkostenzuschüsse weiterhin vom Land:
• Bezieher/-innen von Waisenrente bzw. Waisengeld
• In Heim- oder Familienpflege Untergebrachte
• Integrationsschülerinnen und -schüler
• Leistungsberechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

In Nachbarland Rheinland-Pfalz werden die Fahrtkosten zur Schule generell vom Land übernommen.

Die Gemeinschaftsschule und die Schuldenbremse

Entgegen allen anderslautenden Beteuerungen und Lippenbekenntnissen wird die saarländische Jamaika-Regierung auch weiterhin kräftig bei der Bildung sparen. Das hat hierzulande Tradition und durch die Auswirkungen der Schuldenbremse wird sich diese Entwicklung weiter zuspitzen. Mit der Gemeinschaftsschule schafft man sich deshalb ein wirksames Instrument zum Sparen. Und genau das ist der vornehmliche Grund, weshalb diese Schulform im Saarland etabliert wird.

Zwei Säulen
Dem Saarland steht eine Schulstrukturreform bevor, die einschneidender ist als alle bisherigen Veränderungen der Schullandschaft. Ab dem Schuljahr 2012/2013 haben Eltern, die ihre Kinder an einer weiterführenden Schule anmelden wollen, nur noch die Auswahl zwischen dem Gymnasium und der Gemeinschaftsschule, die ähnlich funktionieren wird wie die bisherigen Gesamtschulen im Saarland. Es soll die wichtigste Reform der Jamaika-Regierung werden. Das neue Zwei-Säulen-Modell (Gymnasium und Gemeinschaftsschule) wird seit Monaten in den höchsten Tönen gepriesen. Von „gleichberechtigten Säulen“ ist die Rede, von „längerem gemeinsames Lernen“ und „Individualisierung des Unterrichts“. Eine Schule soll entstehen „in Augenhöhe mit dem Gymnasium“, heißt es – zumindest offiziell.

Sparen bis die Schwarte kracht
Das klingt alles sehr gut, genauso wie die vollmundigen Ankündigungen der anderen sogenannten Reformen und „Bildungsoffensiven“, die in den letzten beiden Jahrzehnten über uns hereingebrochen sind. Schaut man sich die jedoch genauer an, tritt schnell die Ernüchterung ein. Denn eine echte Weiterentwicklung des saarländischen Bildungssystems hat es genau genommen nie gegeben. Alle großen Veränderungen dienten immer nur dem Zweck, die Ausgabenlast in unserem hoffnungslos verschuldeten kleinen Bundesland zu verringern. Die Abschaffung der Hauptschulen und die Einführung von G8 durch das Saarland als erstes Bundesland ließen sich noch werbewirksam gegenüber der Öffentlichkeit verkaufen, waren aber im Grunde nur Sparmaßnahmen: Schulen konnten geschlossen werden, die teure Jahrgangsstufe 13 am Gymnasium ist durch G8 inzwischen weggefallen. Bildungspolitik ist und war im Saarland zugleich auch immer Sparpolitik zu Lasten der Schüler, Eltern und Lehrer. In schöner Regelmäßigkeit wurden die Klassen vergrößert und die Arbeitszeit der Lehrkräfte erhöht. Den vorläufigen Gipfel der Zumutung stellte ab dem Jahre 2005 die Schließung von etwa einem Drittel aller saarländischen Grundschulen dar. Es wird gespart bis die Schwarte kracht. Und im Moment erleben wir gerade, wie das Saarland dem bedrohlich angewachsenen Lehrermangel durch Billigkräfte entgegenwirken will. Warum kann das Saarland sowas ungestraft tun? Bildung ist in Deutschland eben Ländersache, keine nationale Verpflichtung, sondern eine regionale Angelegenheit. Es gibt ein deutliches Gefälle zwischen armen und reichen Bundesländern. Die Ausgaben für Schulen und Ausbildung richten sich daher nach der Kassenlage des jeweiligen Bundeslandes. Eine Rechtfertigung dieser Politik über die Landesgrenzen hinaus ist demnach nicht erforderlich. Niemand interessiert sich bundesweit dafür, was gerade das kleine Saarland am Rande der Republik mit seinen Schulen anstellt.

Die Schuldenfalle
Es wäre demnach naiv zu glauben, dass nun mit der Einführung der Gemeinschaftsschule die große Kehrtwende eintritt und die Tradition des Sparens auf Kosten kommender Generationen erstmals durchbrochen werde. Das Gegenteil wird der Fall sein. Die Verschuldung des Landes nimmt erschreckende Ausmaße an. Trotzdem sollen die Vorgaben der Schuldenbremse eingehalten werden, wonach das Saarland bis zum Jahr 2020 so weit sein sollte, keine neuen Kredite mehr aufnehmen zu müssen. Momentan sind wir mit mindestens 12 Milliarden Euro in der Kreide und der Schuldenberg wächst weiter. Bis 2020 sollen es neusten Schätzungen zufolge 16 Millarden sein. Hält sich das Saarland tatsächlich an die Schuldenbremse, müssen ab 2020 diese 16 Millarden auch wieder zurückgezahlt werden. Das allerdings kann Jahrzehnte dauern, Konjunktureinbrüche nicht eingerechnet. Fatalerweise ist in unserem Mini-Bundesland auch noch der Anteil der Personal- und Verwaltungskosten, die kaum verringert werden können, unverhältnismäßig groß. Wo soll also gespart werden, wenn nicht bei der Bildung, die ja schließlich den größten Teil der Landesausgaben ausmacht? Insofern war eine Änderung der Schulstruktur unerlässlich. Man brauchte ein wirksames Instrument, um möglichst problemlos und unauffällig den Rotstift ansetzen zu können. Dieses Instrument heißt Gemeinschaftsschule.

Verfügungsmasse Gemeinschaftsschule
Mit der Gemeinschaftsschule schafft sich das Land eine einzige überschaubare Verfügungsmasse für alle künftigen Einschnitte, Streichungen und Kürzungen im Schulsystem. Das Gymnasium wird geschont. Da es im Saarland eine sehr starke Lobby hat und fast schon den Status der Unantastbarkeit genießt, werden sich kommende Sparmaßnahmen zwangsläufig auf die „zweite Säule“, die Gemeinschaftsschule, konzentrieren. Der Wegfall einer dritten weiterführenden Schulform bietet zudem eine wesentlich bessere Überschaubarkeit und Planungssicherheit. Die Sparmaßnahmen können so schneller und gezielter eingesetzt werden. Die Folge: nach einer Einführungsphase von zwei bis drei Jahren droht der Gemeinschaftsschule dasselbe Schicksal wie der Gesamtschule: Sie wird nach und nach heruntergewirtschaftet (s. auch: Die „Gesamtgemeinschaftsschule“ kommt). Aus dem Zwei-Säulen-Modell wird ein Zwei-Klassen-Modell und dann erhalten wir im schlimmsten Fall nichts anderes als eine große Restschule.