CDU will Hauptschulen abschaffen

Auch die CDU, die traditionell für das dreigliedrige Schulsystem eintritt, möchte plötzlich nur noch zwei weiterführende Schulformen: Das Gymnasium und eine wie auch immer geartete Oberschule. Die Hauptschule soll abgeschafft werden.

Wie man die Existenz der Hauptschüler verdrängt
Warum nun dieser Sinneswandel? Schon seit langem gilt die Hauptschule als Restschule. Ihr Ansehen geht zurück. Von Stigmatisierung und Ausgrenzung der Hauptschüler ist gar die Rede.
Eine solche Einschätzung ist jedoch rein subjektiver Natur. Denn „Hauptschule“ klingt nicht so gut wie „Gemeinschaftsschule“, „Oberschule“, „Erweiterterte Realschule“, „Gesamtschule“ usw. Die Hauptschulen abschaffen zu wollen hat deshalb neben den ganz banalen Spargründen viel mit Verdrängung zu tun. Ist das Wort erst mal getilgt, kommen auch die „Hauptschüler“ nicht mehr so oft vor – zumindest im Sprachgebrauch. Dass diese jedoch in der Realität noch in großer Zahl vorhanden sind, wird nach außen hin gern verschwiegen. Man ahnt allenfalls dann etwas von ihrer Existenz, wenn bekanntgegeben wird, wieviele Schulabgänger keinen Hauptschulabschluss haben.

Hauptschüler im Saarland
Im Saarland beträgt der Anteil der Hauptschulabschlüsse an den allgemeinbildenden Schulen 45,2 Prozent (Bildungsbericht 2010). Hauptschüler stellen also neben den Mittlere-Reife-Absolventen (22,7 Prozent) und den Abiturienten (26 Prozent) die weitaus größte Gruppe dar. Der Umgang mit den Hauptschülern ist demgegenüber stiefmütterlich und man würde sie am liebsten komplett unter den Tisch fallen lassen. Und Überlegungen in dieser Richtung werden auch schon angestellt. Langfristig läuft alles darauf hinaus, auch den Hauptschulabschluss abzuschaffen und einen mittleren Bildungsabschluss für alle verbindlich zu machen. Keine Angst! Davon sind wir hier im Saarland noch weit entfernt, es sei denn, die Anforderungen für die mittlere Reife würden an das Hauptschulabschlussniveau angeglichen. Was nach Meinung vieler Lehrkräfte schon eingetreten ist: ein mittlerer Bildungsabschluss, hört man oft, sei heute nicht mehr wert als ein Hauptschulabschluss vor 20 Jahren.

Echte Hauptschulen leisten mehr
Jedenfalls scheint es nicht viel zu bringen, dass wir unsere Hauptschüler in den Schulformen mit den klangvolleren Namen verstecken. Echte Hauptschulen (man könnte sie ja auch anders nennen) sind berufsorientierter, haben wesentlich bessere Fördermöglichkeiten und können gezielter auf die Belange der Schüler eingehen. Kosten aber auch mehr. Welchen Sinn macht es, ein eher praktisch orientiertes Kind in eine Gesamt- oder Gemeinschaftsschule zu stecken, wo es noch dazu eine Fremdsprache lernen muss (obwohl die Schwierigkeiten in Deutsch schon gewaltig sind) und permanent im Schatten der leistungsstärkeren Schüler steht?

Profilierung auf Kosten der Schwachen
Wenn sich also führende CDU-Politiker bundesweit für eine Abschaffung der Hauptschulen einsetzen, haben sie mit Sicherheit nicht vorrangig das Wohl der Kinder im Sinn. Vorsicht ist außerdem immer dann angebracht, wenn Beschlüsse gefasst werden, für die man eigentlich nicht zuständig ist. Bildung ist, wie wir wissen, Ländersache. Aber immerhin durfte Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf diese Weise wieder mal etwas sagen, obwohl sie nichts zu sagen hat.