Bürgerfeindliche Gesetzgebung verhindert G9-Erfolg

Das Bürgerbegehren der Elterninitiative G9-Jetzt! für die Rückkehr zum Abitur in 9 Jahren ist offenbar gescheitert. Die vorläufigen Angaben der Teilnahmezahlen von den Gemeinden, wo die Unterschriften für das Bürgerbegehren abgegeben werden mussten, lassen jedenfalls diesen Schluss zu. Etwa 55000 wahlberechtigte saarländische Bürgerinnen und Bürger hätten während ihrer Arbeitszeit die Wahlämter der Gemeinden aufsuchen müssen, um dort gegen Vorlage des Personalausweises ein  Formular auszufüllen und zu unterschreiben.

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Der Anschein einer Oberstufe

Seit dem Start der Gemeinschaftsschule im August 2012 war klar: eine Oberstufenlösung musste irgendwann mal kommen. Denn spätestens bis Ende 2017 sollten die ersten Abi-Kandidaten und deren Eltern wissen, wie denn nun an der Gemeinschaftsschule Abitur gemacht werden kann.

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Das Märchen von der G9-Alternative

Gemeinschaftsschulen sollen im Saarland das abgeschaffte G9-Abitur ersetzen

Die Politik hält im Saarland verbissen am Turbo-Abitur G8 fest. Dafür gibt es eine inoffizielle und eine offizielle Begründung. Nachvollziehbar, jedoch völlig unakzeptabel, ist die inoffizielle: Den inzwischen erzielten Spareffekt durch die Abschaffung der Klassenstufe 13 will man sich nicht mehr nehmen lassen. Als offizielle Begründung wird dagegen immer wieder steif und fest behauptet, mit der Gemeinschaftsschule sei ja schließlich eine G9-Alternative vorhanden. Doch diese Behauptung ist schlichtweg eine Täuschung. Eine einheitliche G9-Oberstufe für die Gemeinschaftsschulen ist bis jetzt noch nicht einmal ansatzweise in Sicht. Ein echtes G9 bis zur Klassenstufe 13 wird es für die Gemeinschaftsschulen nach jetzigem (Schulden-)Stand wahrscheinlich niemals geben. Möglich ist allenfalls ein G8 am Gymnasium mit Wiederholung der Klassenstufe 10. Doch damit wird die Gemeinschaftsschule als Alternative („auf Augenhöhe“) zum Gymnasium ad Absurdum geführt. Sie kann nicht zum Abitur führen, wenn dies letztlich nur am Gymnasium absolviert werden kann. Ihr fehlt eine eigene G9-Oberstufenstruktur. Die Abi-Kandidaten der Gemeinschaftsschulen landen überwiegend in den Oberstufenklassen 11 und 12 der Gymnasien, wo dann kein Unterschied mehr gemacht wird zwischen ihnen und den Gymnasiasten. Das ist und bleibt ein G8, wenn auch mit einjähriger Unterbrechung.

Eine echte G9-Alternative bieten lediglich die beiden Oberstufen für die Gesamtschulen in Neunkirchen und Saarbrücken. Dort werden die Schülerinnen und Schüler aus den 10 Gesamtschulen des Regionalverbands Saarbrücken und der Landkreise Neunkirchen und Saarpfalz aufgenommen und konsequent bis zum Abitur in Klassenstufe 13 geführt. Das sind jedoch gerade mal 10 von insgesamt etwa 130 Gemeinschaftsschulen, die ab dem Schuljahr 2018/2019 eine Oberstufe anbieten müssen.

Ein G9-Alternative stellen auch die sogenannten beruflichen Oberstufengymnasien dar. Dabei handelt es sich um Oberstufenklassen, die den Berufsbildungszentren zugeordnet sind und in einem zwei- bzw. dreijährigen Ausbildungsgang zu einer Hochschulreife mit berufsbezogener Orientierung führen. Im Saarland gibt es sieben berufliche Oberstufengymnasien, fünf in den Landkreisen und zwei im Regionalverband Saarbrücken. Ihre Aufnahmekapazität ist jedoch wegen des begrenzten Raumangebots sehr gering.

Die meisten Gemeinschaftsschulen werden demnach nur mit dem G8-Gymnasium kooperieren können, um ihren Kandidaten ein Abitur zu ermöglichen. Und das ist ein Abitur in Jahrgang 12. Damit bleibt also mit wenigen Ausnahmen alles bei G8. Es sei denn, die Landesregierung würde bis zum Stichtag noch eine ganze Reihe gemeinsame Oberstufen nach dem Muster der Gesamtschulen etablieren. Doch wer angesichts unserer miesen Finanzlage daran glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen. Wir wissen zwar, dass Investitionen in Bildung sich langfristig auszahlen. Doch solche Erkenntnisse zählen im Saarland schon lange nicht mehr. Es wird daher wohl weiterhin geflickschustert. Das schlagende Argument, die Gemeinschaftsschule könne ein G9-Abitur anbieten, bleibt somit eine Farce.

G9 jetzt! – Alles andere ist Flickschusterei

Nun hat sich auch im Saarland der Widerstand gegen G 8 (Gymnasium in 8 Jahren) formiert. Die Elterninitiative „G9-Jetzt!“ will ab November innerhalb von 6 Monaten zunächst einmal 5000 Unterschriften sammeln, damit sich der Landtag mit dem Thema G 8 befassen muss. Falls sich die Mehrheit der Abgeordneten dann für die Beibehaltung von G 8 entscheiden sollte, wird ein Volksbegehren angestrebt, um das Turbo-Abitur mit den Unterschriften von 7 Prozent der Wahlberechtigten doch noch zu Fall zu bringen.

Ein dickes Lob gebührt Katja Oltmanns, der Sprecherin der Initiative. Sie muss sich nun auch gegen eine große Zahl von Mitläufern zur Wehr setzen, die plötzlich ihre Meinung geändert haben und nun doch (aus fadenscheinigen Gründen) an G 8 festhalten wollen.

Der Einheitsbrei der Großen Koalition
Die Auseinandersetzung um G8 ist ein besonders trauriges Kapitel saarländischer Bildungspolitik: Aufgrund der politischen Großwetterlage wollen nun viele von denen das Turbo-Abi beibehalten, die sich früher vehement dagegen ausgesprochen hatten. Sogar die GEW macht den Rückzieher und schlägt lediglich vor, das bisherige G8 wieder mal zu reformieren. Auch bei der Landeselterninitiative für Bildung äußert man sich zurückhaltend („Korrekturmöglichkeiten“). Von Streitkultur ist im Saarland nicht mehr viel zu spüren. Der Einheitsbrei der Großen Koalition ist inzwischen bis zu den Interessenverbänden durchgesickert. Angesichts der erdrückenden SPD/CDU-Mehrheit sind viele kritische Stimmen im Land verstummt oder zumindest sehr leise geworden.

Der wahre Grund für G8
Hinzu kommt eine große Portion Verlogenheit. Denn der Hauptgrund, weshalb das Saarland als einziges Bundesland so krampfhaft an G8 festhält, ist der erzielte Spareffekt. Das wird natürlich nicht offen ausgesprochen. Noch scheuen Politiker den Vorwurf, sie wollten auf Kosten der Kinder ihre Haushalte sanieren. Im Saarland, dem ersten G8-Bundesland, sind die Gymnasien bereits im vierten Jahr ohne Klassenstufe 13. Folglich muss für diesen Jahrgang auch kein Personal eingestellt werden. Diesen Spareffekt will man sich hierzulande angesichts der katastrophalen Verschuldung nicht mehr nehmen lassen. Auch dann nicht, wenn viele andere Bundesländer schon längst dazu übergegangen sind, G8 nach und nach abzuschaffen oder zumindest zusätzliche G9-Alternativen anzubieten.

Die vermeintliche Alternative
Nur so kann die Politik sicher nicht gegenüber der Öffentlichkeit argumentieren. Deshalb wird nach außen hin zäh und verbissen die Gemeinschaftsschule als G8-Alternative bemüht: Wer den Stress mit G8 nicht wolle, könne schließlich dort auch in 9 Jahren zur Hochschulreife kommen. Doch diese Rechnung geht so nicht auf. Schuld daran ist das aus den Wirren der Jamaika-Regierung hervorgegangene „Zwei-Säulen-Modell“ mit Gymnasium und Gemeinschaftsschule als „gleichwertige Schulformen“. Inzwischen werden es viele ehemalige Verfechter dieses Modells einsehen (aber nicht zugeben): Es war ein großer Fehler, nur noch zwei weiterführende Schulformen anzubieten. Von Gleichwertigkeit und „Augenhöhe“ kann keine Rede sein. Alle Eltern, die auch nur die geringste Chance sehen, dass ihr Kind Abitur machen könnte (auch ohne Empfehlung), melden es am Gymnasium an. Die Gemeinschaftsschule wird damit zwangsläufig zur neuen Restschule. Ihr fehlen konstant die guten Schüler.
Etwa 50 Prozent aller saarländischen Kinder werden einen Hauptschulabschluss erreichen. Viele schließen mit der Mittleren Reife ab. Nur wenige Schüler der Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen schafften es bisher bis zum Abitur. Für Kinder, die aus dem Raster der verfrühten Selektion rausfallen und dennoch die Voraussetzungen für das Abitur mitbringen, fehlen ausreichende Fördermöglichkeiten. Sie durchlaufen bis zur Klasse 9 einen Unterricht, der sich vorrangig am Niveau der Haupt- bzw. Mittlere-Reife-Schüler ausrichten muss (sie sind die große Mehrheit). Erst in Klasse 10 sollen dann plötzlich die Abi-Kandidaten in den Hauptfächern auf „gymnasialem Niveau“ unterrichtet werden. Wer auf diese Weise in die Oberstufe wechselt, wird es schwer haben. Die Gemeinschaftsschulen werden wohl auch keine eigene Oberstufe bilden können. Dazu müssten zwei Klassen entstehen. Doch das ist illusorisch. Außerdem fehlen die erforderlichen Gymnasiallehrer. Es wird also aller Voraussicht nach zu Kooperationen kommen mit den Gymnasien vor Ort. Wahrscheinlich müssen Gemeinschaftsschüler dann dort die Klassenstufe 10 noch einmal durchlaufen. Wie das alles genau funktionieren soll, weiß noch niemand so richtig. Bisher gibt es nur Versprechungen. Spätestens ab dem Schuljahr 2018/2019 wissen wir mehr. Dann müssen die Gemeinschaftsschulen erstmals eine Oberstufe anbieten…

Siehe auch: Das Saarland bleibt bei G8

Das Saarland bleibt bei G8

An G8 wird im Saarland nicht gerüttelt
G8, das achtjährige Gymnasium, wird inzwischen von den meisten Eltern abgelehnt. Ein Bundesland nach dem anderen kippt diese sogenannte Reform oder bietet zumindest G9 als zusätzliche Alternative an.

Im Saarland will man davon nichts wissen. Das ist auch verständlich. Denn der damalige saarländische Bildungsminister Jürgen Schreier (CDU) war in Deutschland der erste, der auf die Idee kam, ein solches Turbo-Abitur einzuführen. Wir sind die Vorreiter. Die anderen Bundesländer haben sich drangehängt.
Schreier ging es jedoch nicht um eine Verkürzung der Ausbildungszeiten, ohne die wir „den Anschluss an Europa“ verlieren würden. Dieses, bis heute immer wieder nachgeplapperte Argument, ausgesprochen von einem der 16 deutschen Bildungsminister, wird beim europäischen Nachbarn sicherlich sehr zur Erheiterung beigetragen haben. Denn der deutsche Bildungsföderalismus besteht aus den 16 verschiedenen Bildungssystemen der Länder und wir schaffen noch nicht einmal den Anschluss untereinander geschweige denn europaweit. Es muss außerdem zumindest hinterfragt werden, ob junge Leute schon im Alter von 17 oder 18 Jahren unbedingt sofort studieren müssen, obwohl sie von der Welt noch nichts wissen.

Jedenfalls hatte Schreier mit Sicherheit nicht die saarländische Konkurrenfähigkeit gegenüber den europäischen Nachbarn im Blick, sondern wohl mehr das Sparpotential, das in der Verkürzung der Schulzeit verborgen liegt: nachdem der erste G8-Jahrgang durchgelaufen ist, entfällt die komplette Jahrgangstufe 13 und braucht nicht mehr personalisiert zu werden. G8 begann 2001. Den Jahrgang 13 konnten wir uns jetzt also schon zwei Jahre lang sparen und daran wird im rettungslos überschuldeten Saarland krampfhaft festgehalten. G8 wird nicht abgeschafft sondern allenfalls reformiert.

Gemeinschaftsschule statt G9
Und schließlich gibt es ja auch noch die Gemeinschaftsschule. Der Königsweg für alle, die es lieber etwas gemütlicher haben wollen. Das Abitur mit 9 Jahren ist immer das erste und wichtigste Argument, mit dem für die Gemeinschaftsschule geworben wird. So entsteht der Eindruck, jedes Kind könne Abitur machen. Die Eltern brauchen sich nur zu entscheiden, ob in 8 Jahren am Gymnasium oder in 9 Jahren an der Gemeinschaftsschule. Bei dem Königsweg könnte es sich jedoch auch um einen Holzweg handeln. Etwa 90 Prozent aller Schülerinnen und Schüler der bisherigen Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen schaffen allenfalls einen Hauptschulabschluss oder mittlere Reife. Zu wenig Abiturienten also, um sich glaubhaft als Alternative zu G8 darstellen zu können. Allein die Zusammenfassung dieser beiden Schulformen zu einer abgespeckten Gesamtschule, die sich Gemeinschaftsschule nennt, hindert die Eltern nicht daran, ihr Kind am Gymnasium anzumelden und dabei G8 in Kauf zu nehmen. Der Run auf das Gymnasium dürfte sich im Saarland mangels echter Alternativen in den nächsten Jahren sogar noch verstärken. Das wiederum wird zur Folge haben, dass massenhaft an die Gemeinschaftsschulen abgeschult werden muss. Und damit schließt sich dann wieder der Teufelskreis. Am vielgescholtenen deutschen Ausleseprinzip ändert sich nichts.

Die Gemeinschaftsschule und das Abitur

Für die Akzeptanz der künftigen Gemeinschaftsschule ist es von entscheidender Bedeutung, einen alternativen Weg zum Abitur anbieten zu können. An diesem Merkmal wird krampfhaft festgehalten. Abitur muss sein – um jeden Preis! Da das bisherige Konzept der Gemeinschaftsschule (Eckpunktepapier des Bildungsministeriums) sich sehr stark an das der Gesamtschule anlehnt, müssen wir davon ausgehen, dass auch an der neuen Schulform das Abitur „gesamtschulmäßig“ gestrickt wird. Um also etwas über die künftige Qualität des alternativen Abiturs auszusagen, lohnt sich ein Blick auf die bisherige Gesamtschulpraxis.

Abiturvorbereitung völlig unzulänglich

Danach werden potentielle Abiturientinnen und Abiturienten in den Fächern Mathematik und den Fremdsprachen (ab Klasse 7), in Deutsch (ab Klasse 8 ) sowie in Physik und Chemie (ab Klasse 9) in sogenannte Erweiterungskurse (EKs) eingeteilt, die zur mittleren Reife führen sollen. Alle anderen Fächer werden im Klassenverband unterrichtet. Im 5. und 6. Schuljahr gibt es noch keine Kurse und die Klassen bleiben immer zusammen. Dort wird das Leistungsbild vor allem durch das Niveau der Hauptschüler bestimmt, die zahlenmäßig überwiegen. Die wenigen sehr leistungsfähigen Schüler sind im Klassenverband eigentlich fehl am Platz.
Eine Vorbereitung auf das Abitur setzt ansatzweise erst im 10. Schuljahr ein. Dort gibt es erstmals neben den Erweiterungskursen auch noch sogenannte Aufbaukurse. Aufbaukurse werden an wenigen Gesamtschulen zwar auch schon in Klasse 9 eingerichtet, meistens finden sich jedoch zu wenig dafür in Frage kommende Kandidaten. Die Kurse wären zu klein (und damit zu teuer) und werden deshalb nicht genehmigt.

Die Gesamtschule und das „gymnasiale Niveau“

In den Aufbaukursen soll nun erstmals, wie es heißt, auf „gymnasialem Niveau“ unterrichtet werden. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass Schülerinnen und Schüler auf den Stand des Gymnasiums in Klasse 10 gebracht werden. Das wäre völlig unrealistisch, denn dann müssten innerhalb eines Jahres alle Rückstände ausgeglichen werden, die sich in den vorhergehenden fünf Jahren gegenüber dem Gymnasium gebildet haben. Nein, es wird lediglich etwas mehr Stoff unterrichtet als in den EKs. Um jetzt den Sprung in die Oberstufe zu schaffen, braucht die Schülerin/der Schüler in den Hauptfächern (davon zwei aus Deutsch, Mathematik oder der Fremdsprache) drei Aufbaukurse mit insgesamt mindestens ausreichenden Noten (4 von 15 Punkten!).
Kurz gesagt, der Eintritt in die Oberstufe nach Klasse 10 erfolgt nach einer schwachen, nur auf wenige Fächer bezogenen Vorbereitung auf die mittlere Reife. Ein Übergang in die Klasse 11 der gymnasialen Oberstufe ist in dem Fall illusorisch. In Frage käme höchstens eine Wiederholung der Klasse 10 am Gymnasium, aber selbst dann wären die Lücken bei den Gesamtschülern aller Wahrscheinlichkeit noch zu groß. Dieses Dilemma hat man frühzeitig erkannt. Deshalb wurden spezielle Gesamtschul-Oberstufen geschaffen, die im Verbund mit mehreren Gesamtschul-Standorten zusammenarbeiten, um ausreichend Schüler rekrutieren zu können. Solche Oberstufen bestehen aus den Klassen 11 bis 13, ermöglichen somit das Abitur nach 9 Jahren, also ein Jahr später als am Gymnasium.

Anpassung nach unten

Jetzt sollte man meinen, dass in diesen drei Jahren ordentlich rangeklotzt wird, um trotz der mageren Voraussetzungen das Abitur zu schaffen. Doch diese Annahme trifft erfahrungsgemäß auf den größten Teil dieser Oberstufenschülerinnen und -schüler nicht zu. Viele haben den Sprung in die Klasse 11 geschafft, ohne dass sie sich in der Mittelstufe groß anstrengen mussten. Schließlich war das Arbeitspensum auf Hauptschul- oder allenfalls Mittlere-Reife-Niveau zugeschnitten.
Es hat sich also eine problematische Arbeitshaltung herausgebildet, die vielfach auch nach dem Eintritt in die Oberstufe beibehalten wird. Lehrkräfte an den Gesamtschul-Oberstufen sind verzweifelt. Doch die meisten passen sich angesichts der gewaltigen Defizite irgendwann den Gegebenheiten an und sehen sich gezwungen, die Anforderungen herunterzuschrauben. Schließlich hat man keine Lust, immer nur der „böse Lehrer“ zu sein, der die schlechten Noten gibt. Sowas wird auch bei den Zeugniskonferenzen nicht gern gesehen. Wer dagegen viele gute Noten macht, gilt unterschwellig immer noch als guter bzw. erfolgreicher Pädagoge. Auf diese Weise machen letztlich fast alle ihr Abitur und hinterher fragt niemand mehr, wie sie das geschafft haben. Hauptsache ist: die Gesamtschule hat ihre Abiturienten.

Zu wenig Anreize für leistungsstarke Kinder

Um jetzt nicht falsch verstanden zu werden: Es geht mir nicht darum, die Gesamtschule schlecht zu reden. Wichtig ist es jedoch, auf negative Auswüchse aufmerksam zu machen. Für diese Fehlentwicklungen ist auch nicht die Gesamtschule verantwortlich, sondern die unselige Konkurrenz zum Gymnasium, das die guten Schüler vereinnahmt. Seitdem im Saarland die Gesamtschule zur Regelschule erklärt wurde, unterliegt sie zudem wie alle anderen Schulen den Spar-Restriktionen. Es ist daher einfach ein schlechter Witz, dass man zwar unbedingt Abiturienten vorweisen will, jedoch kein Geld investiert, um die in Frage kommenden Schüler entsprechend vorzubereiten. Aufbaukurse müssten m.E. spätestens in Klasse 8 einsetzen und nicht erst in 10. Auch auf die „Gefahr“ hin, dass diese Kurse sehr klein werden könnten. Gute Schülerinnen und Schüler brauchen eine Herausforderung – und zwar so früh wie möglich. Die Fehler, die an der Gesamtschule gemacht werden, sollten sich an der Gemeinschaftsschule nicht wiederholen!