Ganz oder gar nichts?

Die CDU Saar will „Ganztagsklassen“

Na endlich! Jetzt sollen sie also doch noch ins Saarland kommen: Nach dem Willen der Saar-CDU wird es ab dem nächsten Schuljahr auch bei uns Ganztagsschulen geben. Nein, halt! Wir wollen keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Rede ist von „Ganztagsklassen“. Von denen seien, so die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende und Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, an den saarländischen Schulen schon 31 in Planung. Und im nächsten Schuljahr entstünden erst einmal drei Ganztagsklassen für (nicht näher genannte) Gymnasien. Ein freiwilliges Angebot, betont die Ministerin.

Man muss sich das wohl so vorstellen: an den betreffenden Gymnasien wird dann eine Klasse gebildet, deren Schülerinnen und Schüler bis mindestens 16.30 Uhr Unterricht haben und dabei qualifiziert betreut werden. Alle anderen jackern im G8-Tempo den Stoff durch wie gehabt. Das wäre dann gewissermaßen die Insellösung: Ganztagsschule in Form einer Klasse innerhalb der normalen Schule. Aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. An echte Ganztagsschulen, wie es sie in den anderen Bundesländern schon lange gibt, kommen wir damit noch nicht ran. Doch es wäre immerhin ein Anfang. Nur, was macht die CDU im Falle eines Wahlsiegs dann mit den bereits eingerichteten sogenannten freiwilligen Ganztagsschulen, bei denen es sich ja im Grunde nur um eine Nachmittagsbetreuung handelt? Beide Modelle, freiwillige Ganztagsschulen und Ganztagsklassen, existieren dann nebeneinander und beide sollen auch laut Wahlversprechen für die Eltern kostenfrei werden. Für welches Modell entscheiden sich die Schulen?
Begriffsverdrehungen fallen zum Glück manchmal auf diejenigen zurück, die davon Gebrauch machen. Hätte sich die saarländische Landesregierung gleich an die korrekte Bezeichnung „Nachmittagsbetreuung“ gehalten, müsste sie jetzt nicht erklären, was mit „ganz“ eigentlich gemeint ist.
Ganz schön peinlich!

Eltern empfinden unser Bildungssystem als Zumutung

Schlimmer hätte eine PISA-Studie nicht ausfallen können: Der deutsche Bildungsföderalismus wird offensichtlich von einer großen Mehrheit der Eltern abgelehnt. Nach einer repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag der Zeitschrift Eltern empfinden 91 Prozent der Eltern das Länderchaos in der Bildungspolitik als Zumutung und fordern eine bundesweite Vereinheitlichung des Schulsystems. Über die Hälfte der Befragten würden ihr Kind auf eine Privatschule schicken, wenn sie es sich leisten könnten. 68 Prozent der befragten Mütter und Väter finden das Schulsystem veraltet. Zwei Drittel halten die frühe Trennung der Kinder in verschiedene Schulformen für falsch und wünschen sich eine längere gemeinsame Grundschulzeit.

Einfluss des Bundes wird überschätzt

Für die Eltern ist Bildungspolitik auch das Top-Thema bei der Bundestagswahl am 27. September, wichtiger noch als die Bewältigung der Wirtschaftskrise. Offensichtlich überschätzen die meisten Eltern immer noch den Einfluss des Bundes auf unser Bildungssystem. Polit-Shows wie der Bildungsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Herbst haben diese Fehleinschätzung verstärkt. Und maßgebliche Bundespolitiker machen sich die allgemeine Verwirrung im bildungspolitischen Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern ungeniert zu Nutze: Versprechungen werden gemacht, die allein schon deshalb nicht eingehalten werden können, weil den Betreffenden jegliche Zuständigkeit und Kompetenz fehlt. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier macht die Bildungspolitik gar zum Hauptwahlkampfthema. Selbst wenn er wirklich Kanzler würde, wären seine Einflussmöglichkeiten gleich Null. 
Auch die Existenz eines Bundesbildungsministeriums kann darüber nicht hinwegtäuschen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat in der Schulpolitik eigentlich nichts zu melden. Ab und zu mal eine spektakuläre (jedoch meist unsinnige) Bemerkung, die von den Medien aufgegriffen wird – das ist für sie die einzige Möglichkeit, sich als Bildungsministerin zu profilieren. Allein die Länder haben das Sagen und sie achten peinlichst darauf, dass ihnen niemand reinredet.
Wir haben es hier im Grunde mit einem klassischen Fall von Politik zu tun, die gegen die eigene Bevölkerung gerichtet ist. Ein Geschäft quasi, das systematisch die wichtigste Kundschaft verprellt. Nur, wenn ich mir in einem Laden etwas kaufen will und merke, dass ich schlecht bedient oder übers Ohr gehauen werde, gehe ich woanders hin. Eltern haben diese Möglichkeit in der Regel nicht.

GEW Saar bezeichnet Lehrerpersonalisierung als „konzeptlose Flickschusterei“

Angesichts des zunehmenden Lehrermangels bezeichnet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saar, die Einstellungspolitik der Landesregierung als „konzeptionslose Flickschusterei“. Insbesondere in den mathematisch-naturwissenschaftlichen und musischen Fächern sei das Saarland nicht mehr in der Lage, angemessen zu personalisieren.

Dies mache sich schon durch eine deutliche Verringerung der Bewerbungen für den saarländischen Schuldienst bemerkbar. Nach Ansicht der GEW betreibt die Landesregierung zunehmend eine „Patchworkpersonalisierung“ nach dem Motto: Hauptsache es steht jemand vor der Klasse. In diesem Zusammenhang stehe auch die deutliche Zunahme unsozialer befristeter Verträge. Für den GEW-Landesvorsitzenden Klaus Kessler ist dies ein Skandal, weil dadurch immer mehr gut ausgebildete Lehrkräfte gezwungen seien, in andere Bundesländer abzuwandern. Kessler erinnerte auch daran, dass die saarländische Landesregierung nun offiziell beschlossen hat, die Eingangsbesoldung der Realschullehrer – außer in Mangelfächern – um 300,- Euro zu kürzen.
Die GEW, so Kessler, vermisse seit Jahren ein Personalkonzept, das eine „ausgewogene, gerechte und qualitätsvolle“ Versorgung der Schulen mit Fachlehrern über mehr als ein Schuljahr hinaus sicherstelle.

Eine Zusammenfassung der geplanten Personalisierung 2009/2010, bezogen auf die einzelnen Schulformen, sowie die entsprechenden GEW-Forderungen beinhaltet die Übersicht des Downloads.

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Ministerpräsident Peter Müller erhält ein Zeugnis

Mit den Schülerinnen und Schüler im Saarland hat am letzten Schultag vor den Ferien auch Ministerpräsident Peter Müller ein Zeugnis bekommen. Erteilt und (in Abwesenheit) überrreicht wurde ihm das Zeugnis von der Landeselterninitiative für Bildung. Die Noten fallen schlecht aus und die Landesregierung wird nach 10jähriger Amtszeit aufgrund ihrer mangelhaften Leistungen für die schulische Bildung „nicht versetzt“. Als „Leistungsnachweise“ für den Ministerpräsidenten hat die Elterninitiative Daten der Statistischen Ämter des Bundes und des Landes zusammengetragen, die Aussagen über die Wirkung der Schulpolitik zulassen. Danach hat das Saarland im Vergleich zu den anderen Bundesländern die meisten frühen Schulabgänger und die zweithöchste Anzahl an Personen mit niedrigem Bildungsstand. Fast 21 % der Bevölkerung zwischen 18 und 25 Jahren verfügen über keinen Abschluss im Sekundarbereich II. Damit ist das Saarland Schlusslicht. Mittlere Reife und Abitur machen im Saarland weit weniger Schüler als im Bundesdurchschnitt (viertletzter Platz). Bei den 25- bis unter 65-Jährigen in der Bevölkerung ohne beruflichen Abschluss und ohne (Fach-)Hochschulreife liegt das Saarland mit 21 % auf dem zweitletzten Platz. Im Saarland gibt es mit 11 % wie ansonsten nur noch in Sachsen-Anhalt die geringsten Anteile der Bevölkerung mit Hochschulabschluss bzw. Promotion. Das Saarland hat nach Bayern das schlechteste ganztagsschulische Angebot in Deutschland an allgemein bildenden Schulen, die Klassen sind zu groß, Lehrer zu hoch belastet und überaltert. Zu wenig fachliche Kompetenz wird in der frühkindlichen Bildung eingesetzt.

Die Elterninitiative wirft der Landesregierung vor, zu wenig in die Bildung investiert zu haben. Während im Bund die Ausgaben je Schüler im Jahr 2006 mit durchschnittlich 4.900 Euro um 17 % höher lagen als noch im Jahr 1999, stehe das Saarland mit 4.300 Euro gerade mal auf dem Niveau der Bundesländer im Jahr 2000 und falle im Bundesvergleich immer weiter ab.

Bildungsnotstand im Saarland wird immer konkreter

Bei 16 Bundesländern mit 16 verschiedenen Bildungssystemen lohnt sich immer wieder der Blick über den Zaun. Die Landeselterninitiative für Bildung macht das regelmäßig und entdeckt dabei genauso regelmäßig Fakten, die für das Saarland nicht gerade schmeichelhaft sind.

Im Rahmen der Sozialberichterstattung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Bezugsjahr 2006) wird diesmal nachgewiesen, dass im Saarland bundesweit die meisten Schüler frühzeitig die Schule verlassen. Die Statistik bescheinigt uns den niedrigsten Bildungsstand aller Bundesländer nach Bremen. Schlusslicht sind wir außerdem bei den Abschlüssen: 20,8 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 25 Jahren verfügen über keinen Abschluss  im Sekundarbereich II (Abitur, Fachhoschulreife). Auch beim zweiten untersuchten Indikator, dem Anteil der 25- bis unter 65-Jährigen ohne beruflichen Abschluss und ohne (Fach-)Hochschulreife liegt das Saarland mit 21 Prozent auf einem traurigen zweitletzten Platz (Bundesdurchschnitt 17  %, bester Wert: Sachsen 5 %).

Die Landeselterninitiative für Bildung hat die Landesregierung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die angekündigte Sozialstudie aufgerufen, vor der Wahl darzulegen, welche Anstrengungen sie für notwendig hält, um das Saarland aus dem „Bildungsarmutstal“ hinauszuführen.

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GEW warnt vor Schuldenbremse

Investitionen in Bildung müssen möglich bleiben

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, warnt davor, die im Zuge der Föderalismuskommission II vorgesehene Schuldenbremse ab dem Jahr 2020 in der Landesverfassung festzuschreiben. Ziel der Maßnahme ist es, dass das Saarland bis zu diesem Zeitpunkt einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen muss und keine Kredite mehr aufnehmen darf. Um solch ein Ergebnis zu erreichen, müssen in den nächsten 10 Jahren die Einnahmen des Landes deutlich erhöht und die Ausgaben im Gegenzug drastisch gekürzt werden.

Aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW kommen dann harte Sparmaßnahmen auf das Land zu, die klar zu Lasten des öffentlichen Dienstes, insbesondere des Bildungsbereiches gehen werden. GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler äußert dazu: „Wer einer Schuldenbremse vorbehaltlos zustimmt, verabschiedet sich von allen Möglichkeiten, im Bildungsbereich des Landes auch über Kreditaufnahmen weiter investieren zu können. Es ist dringend erforderlich, den Bildungs- und Schulbereich von jeglichen Sparmaßnahmen im Landeshaushalt auszunehmen, damit wir noch in die Zukunft unserer Kinder und damit in die Zukunft unseres Landes investieren können. Bildungsausgaben müssen insofern als Investitionsanlagen veranschlagt werden und dürfen nicht im Haushalt als konsumtive Ausgaben deklariert werden.“

Die GEW befürchtet bei einer vorbehaltlosen Zustimmung zu einer Schuldenbremse im Saarland radikale Verschlechterungen im Bildungsbereich, die allesamt als notwendige Sparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung begründet werden. Als Beispiel werden genannt: die Streichung von Lehrerplanstellen, die Erhöhung der Lehrerarbeitszeit, größere Schulklassen, die Kürzung von Stundentafeln einzelner Schulformen sowie weitere Schulschließungen. An die Adresse der Parteien im saarländischen Landtag richtet die GEW die Forderung, einer Schuldenbremse nur dann zuzustimmen, wenn der Bildungsbereich davon ausgenommen wird.

Ein frommer Wunsch Die Forderung, die Bildungsausgaben von der Schuldenbremse auszunehmen, ist vom Grundsatz her richtig. Bildung ist unser wichtigstes Gut. Gerade in schlechten Zeiten muss hier verstärkt investiert werden, um die Zukunft zu sichern. Dass jedoch gerade das Saarland sich davon beeindrucken ließe, glauben selbst hartgesottene Optimisten nicht. Die Bildungsausgaben sind hierzulande der größte Einzeletat. Nirgendwo sonst wurde in der Vergangenheit und auch noch heute (trotz Verschuldungsfreiheit) so gnadenlos gespart wie bei der Bildung. Seit Jahrzehnten machen sich die Rechenspezialisten beim Kultusministerium schon Gedanken darüber, wo sie die Sparschraube ansetzen können, ohne dass es besonders auffällt. Da werden Stellen nach dem Ausscheiden in den Ruhestand nicht mehr oder nicht mehr adäquat besetzt, Referendare müssen vermehrt eigenverantlichen Unterricht halten, weniger bekannte Fächer werden still und leise aus dem Fächerkanon herausgenommen – Stellschräubchen gibt es jede Menge. Die großen Sparmaßnahmen wie G8 oder die Grundschulschließungen hingegen werden mit verheißungsvollen Begriffen wie „Bildungsinitiative“ oder „Qualitätsoffensive“ verbrämt. Im Saarland gab es in den letzten 20 Jahren allein vier Erhöhungen der Lehrerarbeitszeit. Eine ganze Generation von Beamten und Angestellten ist damit beschäftigt, Statistiken zu erstellen und auszuwerten, die Rückschlüsse auf weitere Sparmaßnahmen zulassen. Die können nur sparen, sie haben nichts anderes gelernt.

Der Wettbewerb der Bundesländer um Lehrkräfte wird härter

Großformatige Plakate wie dieses (gesehen in Dresden) sind teil einer aufwändigen Werbeaktion des Landes Baden-Württemberg in den Ostländern und in Berlin, wo Lehrkräfte mitunter wesentlich schlechter bezahlt werden als im Westen

Reichere Bundesländer setzen gezielt auf Abwerbung

Mit lukrativen Angeboten versuchen derzeit die reicheren Bundesländer  ihren Mangel an Lehrkräften auszugleichen. Gelockt wird mit Verbeamtung, Umzugshilfe und Unterstützung bei der Wohnungssuche. 375000 Euro lässt sich Baden-Württemberg eine Werbeaktion kosten, die darauf anglegt ist, in den Ostländern aber vor allem in Berlin zu „wildern“. In der klammen Hauptstadt Berlin gibt es seit 2004 keine beamteten Lehrer mehr. Und die Einstufung im Angestelltenverhältnis bringt eine Schlechterstellung von monatlich bis zu 800 Euro.

Marianne Demmer, Schulexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete die Abwerbeaktionen als „verantwortungslos“. Es könne nicht sein, dass die reichen Länder sich nach Bedarf versorgen, während die ärmeren Länder in die Röhre schauen und in den Schulen dort die Lehrer fehlen.

Unterdessen werden die Vorschläge zur Eindämmung des Lehrerbedarfs immer abstruser. Bundesbildungsministerin Schavan scheut sich neuesten Pressemeldungen zufolge nicht davor, die Unternehmen aufzufordern, ihrer besten Mitarbeiter als Lehrkräfte an die Schulen zu schicken.

Das Saarland versucht nach wie vor, die Engpässe durch kurzfristige Verträge zu beseitigen. Eingestellt werden Diplomanden, angehende Lehrer ohne Zweites Staatsexamen, Seiteneinsteiger und teilweise sogar Studenten. Der Spareffekt ist dabei nicht zu verachten, denn der Tarifvertrag der Länder (TVL) erlaubt in den meisten Fällen wegen der mangelnden Vorerfahrung eine Einstufung in den untersten Gehaltsgruppen.
Vielleicht ist es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis die Abwerbekampagnen auch auf das Saarland ausgedehnt werden.

Das Saarland spart trotz Lehrermangel bei der Lehrerausbildung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, hat anlässlich des aktuellen Einstellungstermins für Referendare im Saarland zum 1. Februar 2009 die Einstellungspolitik der saarländischen Kultusministerin scharf kritisiert. Von insgesamt 80 Bewerberinnen und Bewerbern für einen Referendarplatz haben nur 24 Junglehrer einen Ausbildungsplatz im Studienseminar für das Lehramt Realschule und Gesamtschule erhalten.

GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler kritisiert dies mit den Worten: „Wir haben drastischen Lehrermangel im Saarland, insbesondere in den naturwissenschaftlichen und sprachlichen Fächern. Wenn von den Bewerberinnen und Bewerbern nur ein Drittel einen Ausbildungsplatz im Saarland bekommt, dürfen wir uns nicht wundern, wenn diese in andere Bundesländer abwandern. Es ist ein Skandal, wie in diesem Land mit dem zukünftigen Lehrernachwuchs umgegangen wird.“ Die GEW, so Kessler, reklamiere schon seit Jahren die zu geringe Zahl von Ausbildungsplätzen im Seminar für das Lehramt an Realschulen und Gesamtschulen, ohne dass eine Verbesserung eingetreten wäre. Immerhin hätten die angehenden Lehrer einen Rechtsanspruch auf einen Referendarplatz, der zwar nicht für die Zeit unmittelbar nach dem ersten Staatsexamen beansprucht werden könne, allerdings bei Zweit- und Drittbewerbungen schon an die Zumutbarkeitsgrenzen stoße.

Die GEW empfiehlt allen abgelehnten Bewerberinnen und Bewerbern eine rechtliche Prüfung des Sachverhaltes und sich gegebenenfalls an die Gewerkschaft zu wenden. Darüber hinaus fordert Kessler Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf, bei der Ausbildungsplatzvergabe zwischen den einzelnen Schulformen mehr Gerechtigkeit herzustellen und die Ausbildungskapazitäten an der Anzahl der Schulen und den Schülerzahlen zu orientieren.
Den 35 saarländischen Gymnasien mit rund 31.000 Schülerinnen und Schülern werden 60 der 84 Referendare zugeteilt. An den 50 Erweiterten Realschulen und 16 Gesamtschulen des Landes werden etwa 33.000 Schülerinnen und Schüler ausgebildet.

Saarland bei den Bildungsausgaben abgehängt

Landeselterninitiative weist nach: Saarland hinkt bei den Bildungsausgaben hinterher

landeselterninitiativeWährend bundesweit immer mehr in Bildung an öffentlichen Schulen investiert wird, stagnieren die Ausgaben im Saarland seit 2003 jährlich auf dem bundesweit niedrigstem Niveau. Die Landeselterninitiative für Bildung hatte die in der vergangenen Woche vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Studie „Bildungsausgaben – Ausgaben je Schüler/-in 2006“ zum Anlass genommen, bei der Bundesbehörde nach den Zahlen seit Ende der neunziger Jahre zu fragen.

Das Ergebnis der Recherche: Während im Bund die Ausgaben 2006 (4 900 €) um 17 % gegenüber 1999 (4 200 €) gestiegen sind, liegt das Saarland gerade mal auf dem Niveau der Bundesländer im Jahr 2000 (4 300 €) und fällt im Bundesvergleich immer weiter ab. Dies, so die Elternvertretung, passe nicht zur politischen Rhetorik „Aufstieg durch Bildung“ der letzten Regierungserklärung im Landtag (September 2008).

Die Landeselterninitiative wiederholt daher ihre Forderung, Kinder und Jugendliche individuell zu fördern und dafür das nötige Personal einzustellen, ein flächendeckendes Angebot an echten Ganztagsschulen zu schaffen, kleinere Klassen und Kurse zu ermöglichen sowie an den Schulen eine sozialpädagogische und schulpsychologische Beratung zur Unterstützung des Lernens aufzubauen. Dafür müsse nun mal Geld bereitgestellt werden.

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Stell dir vor, es gibt nationale Bildungsstandards und keiner hält sich dran

Warum nationale Bildungsstandards nicht weiterhelfen

 

Ein 10jähriger Grundschüler in Bayern ist nach dem vierten Schuljahr im Fach Deutsch einem gleichaltrigen Schüler im Saarland etwa 1 Jahr im Stoff voraus. Solche teilweise gravierenden Unterschiede in den Bildungssystemen der deutschen Bundesländer sollen mit der Einführung nationaler Bildungsstandards wieder ausgeglichen werden.

Insbesondere für die Fächer Deutsch und Mathematik wurde daher festgelegt, was Kinder am Ende der Jahrgangsstufen 4, 9 und 10 können sollen, bevor sie auf`s Gymnasium gehen, Hauptschulabschluss oder mittlere Reife machen.
Um nun festzustellen, inwieweit diese Bildungsstandards erreicht werden, braucht man wiederum einen nationalen Vergleichstest, der die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer erfasst. Neben PISA und IGLU wurde daher jetzt auch noch Vera ins Leben gerufen. Das Kürzel steht für nationale Vergleichsarbeiten, die zunächst an der Grundschule und später in den Klassenstufen sechs und acht geschrieben werden sollen.

Vergleiche für die Schublade

Solche Vergleichsarbeiten gibt es bereits auf Länderebene. Sie heißen im Saarland „landeszentrale Vergleichsarbeiten“, werden mit hohem organisatorischen und finanziellen Aufwand Jahr für Jahr an unseren Schulen durchgezogen, korrigiert, an der Uni wissenschaftlich ausgewertet und anschließend zu den Akten gelegt. Die Ergebnisse, vor allem im Fach Mathematik, waren in den letzten Jahren durchweg schlecht, teilweise katastrophal. Stark betroffene Schulen können zwar für sich selbst entsprechende Schlussfolgerungen und Konsequenzen ziehen, auf Unterstützung durch die saarländische Landesregierung (z. B. durch die Einstellung zusätzlicher Lehrkräfte, kleinere Klassen und mehr Förderunterricht) warten sie allerdings vergeblich. Seit diesem Schuljahr werden die Vergleichsarbeiten auf Landesebene endgültig nur noch als unnötige Belastung angesehen: Vor allem an den Gymnasien kam das Notenbild durch die Tests so sehr ins Wanken, dass Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) sich veranlasst sah, die Vergleichsarbeiten nicht mehr als Klassenarbeiten anzuerkennen. Die Motivation, solche Arbeiten weiterhin vorzubereiten, schreiben zu lassen und zu korrigieren, hält sich seither für Lehrer wie Schüler stark in Grenzen. Bessere Ergebnisse rücken in noch weitere Ferne.

Hauptschüler für den nationalen Vergleich nicht zugelassen

Vergleichstests in welcher Form auch immer, sind für unsere Bildungspolitiker nur dann gut, wenn daraus kein konkreter Handlungsbedarf abgeleitet werden muss. Ist dies dennoch der Fall, wird getrickst und ignoriert, nicht nur landesweit, sondern auch auf Bundesebene. Wenn es um`s Vertuschen geht, sind sich die Länder dann auch schnell einig. Weil Lernstandserhebungen von Hauptschülern teilweise verheerende Ergebnisse zu Tage gebracht haben, wollen die Kultusminister der Länder nun deren Leistungen voraussichtlich bis zum Jahre 2015 kurzerhand von den Messungen der nationalen Bildungsstandards für allgemeinbildende Schulen ausschließen. Was das Messergebnis verschlechtert, wird einfach nicht gemessen. Doch selbst dann, wenn jedes Bundesland die Leistungen seiner Schüler penibel dokumentiert, werden daraus noch lange nicht die nötigen Konsequenzen gezogen. Der letzte und entscheidende Schritt ist die Finanzierung konkreter erforderlicher Maßnahmen. Doch damit sieht es schlecht aus. Den größten Nachholbedarf haben gerade die finanzschwachen Länder wie das Saarland. Eine Verpflichtung zur Einhaltung der nationalen Bildungsstandards kann von ihnen nicht erzwungen werden. Es wird also weiterhin zwar fleißig gemessen. Doch die Sau wird ja bekanntlich allein vom Wiegen nicht fetter. Der Flickenteppich der deutschen Bildungslandschaft bleibt uns nach wie vor erhalten. Er wird durch das Messen und Wiegen nur noch teurer als bisher.