Der Anschein einer Oberstufe

Seit dem Start der Gemeinschaftsschule im August 2012 war klar: eine Oberstufenlösung musste irgendwann mal kommen. Denn spätestens bis Ende 2017 sollten die ersten Abi-Kandidaten und deren Eltern wissen, wie denn nun an der Gemeinschaftsschule Abitur gemacht werden kann.

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Die Schmierenkomödie

Der saarländische Landtag hat mit den Stimmen der Großen Koalition eine Rückkehr zu G9 (Abitur an den Gymnasien nach 9 Jahren) erwartungsgemäß abgelehnt. Die Elterninitiative G9-Jetzt! hatte die parlamentarische Auseinandersetzung mit dem Thema erzwungen, nachdem die meisten Bundesländer inzwischen wieder von G8 abgerückt sind und ein G9 zumindest teilweise ermöglichen. Lediglich das Saarland hält bisher stur und verbissen am Turbo-Abitur fest.

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Kein Konzept für die Oberstufen der Gemeinschaftsschulen

Der Aufbau der Gemeinschaftsschulen könnte an der Frage der Oberstufen-Standorte für die ehemaligen Erweiterten Realschulen scheitern. Offenbar gibt es immer noch kein schlüssiges Konzept. Das Problem wird in die Zukunft verlagert

 

Gemeinschaftsschule statt Turbo-Abi

Die Schaffung der Gemeinschaftsschule im Saarland sollte das große Vermächtnis sein, das die vorzeitig abgelöste Jamaika-Regierung der Nachwelt hinterließ. Eine aufwändige Werbekampagne wurde ins Rollen gebracht, um den Eltern die neue Schulform als echte Alternative zum 8-jährigen Gymnasium schmackhaft zu machen. Geradezu gebetsmühlenhaft betonte der damalige Bildungsminister Klaus Kessler von den Grünen immer wieder, dass die Gemeinschaftsschule  als „zweite Säule“ im Schulsystem „gleichberechtigt“ und „in Augenhöhe“ neben dem Gymnasium stehe. Ein Hort der Glückseligkeit für alle, die das Turbo-Abi ablehnen und lieber stressfrei zur Hochschulreife kommen wollen. Es entstand der Eindruck, mit der Entscheidung für die Gemeinschaftsschule seien im Saarland schlagartig alle Bildungshürden abgebaut und es gebe künftig nur noch angehende Abiturienten. Doch die nüchterne Schul-Realität sieht natürlich völlig anders aus. Ungefähr 50 Prozent aller Schüler, die an Gemeinschaftsschulen angemeldet werden, sind Hauptschüler (sie existieren noch, obwohl die Hauptschule abgeschafft wurde), die anderen machen überwiegend einen mittleren Bildungsabschluss. Nur ein kleiner Rest (allenfalls 10 Prozent eines Jahrgangs) schafft das Abitur oder eine Fachhochschulreife. In diesem Rahmen bewegen sich jedenfalls die Zahlen der vergangenen Jahre zu den Gesamtschulen. Dort hat sich durch die Umwandlung in Gemeinschaftsschulen kaum etwas geändert. Eine Oberstufe war immer schon fester Bestandteil der Schulordnung, entweder in Kooperation mit einem Gymnasium oder als eigenständige Oberstufe für mehrere Gesamtschulen im Verbundsystem.

Das Dilemma der Erweiterten Realschulen

Ganz schlechte Karten haben allerdings die Erweiterten Realschulen, die erst noch Oberstufen einrichten müssen. Obwohl sie den größten Anteil der Gemeinschaftsschulen ausmachen (71 Prozent), ist dort bislang noch nichts geregelt. Alle Eltern, die ihre Kinder bisher an einer ERS-Gemeinschaftsschule angemeldet haben, tappen in Sachen Oberstufe noch völlig im Dunkeln. Noch immer ist völlig unklar, ob es ein Verbund-System geben wird oder eine Kooperationslösung mit einem Gymnasium. Vorteilhafter für die Schüler wäre auf jeden Fall der Verbund. Denn an einer eigenen Oberstufe werden ausschließlich Gemeinschaftsschüler mit gleichem Kenntnisstand auf das Abitur vorbereitet. Am Gymnasium dürfte der Anschluss bedeutend schwieriger sein, selbst wenn dort die Klasse 10 noch mal wiederholt wird. Ob es jedoch tatsächlich zu neuen Verbundsystemen kommen wird, ist mehr als fraglich. Denn dazu müssten komplette Oberstufen (Klassen 11 bis 13) neu personalisiert werden mit Gymnasial-Lehrkräften, die an den Erweiterten Realschulen so gut wie nicht vorhanden sind. Eine Zwangsrekrutierung mit Personal von den Gymnasien würde nur böses Blut schaffen und wäre erfahrungsgemäß eher kontraproduktiv. Und Neueinstellungen sind zu Zeiten des Schülerrückgangs und der Schuldenbremse wohl illusorisch.

Eltern brauchen Planungssicherheit

Viele offene Fragen und keine eindeutigen Antworten. Die ersten Oberstufen von Gemeinschaftsschulen werden im Schuljahr 2018/2019 entstehen. So lange sollte man nicht warten. Konkrete Oberstufen-Pläne müssten jetzt schon vorliegen. Eltern haben ein Recht darauf, zu wissen, was auf ihre Kinder zukommt.

Anmerkung: Dieser Beitrag ist auch eine Reaktion auf die Äußerungen des Sprechers des Arbeitskreises der Schulleiter an Gemeinschaftsschulen, Arno Heinz (Saarbrücker Zeitung vom 8.8.2013). Heinz` Forderung nach Klarheit für die Oberstufen-Standorte ist sicherlich berechtigt. PiSAAR distanziert sich jedoch ausdrücklich von dessen Bereitschaft, Schulschließungen wegen geringer Anmeldezahlen zu akzeptieren. Hier dürfte Heinz sich (mal wieder) völlig vergaloppiert haben. Weiß er eigentlich, für wen er spricht?

Das Saarland bleibt bei G8

An G8 wird im Saarland nicht gerüttelt
G8, das achtjährige Gymnasium, wird inzwischen von den meisten Eltern abgelehnt. Ein Bundesland nach dem anderen kippt diese sogenannte Reform oder bietet zumindest G9 als zusätzliche Alternative an.

Im Saarland will man davon nichts wissen. Das ist auch verständlich. Denn der damalige saarländische Bildungsminister Jürgen Schreier (CDU) war in Deutschland der erste, der auf die Idee kam, ein solches Turbo-Abitur einzuführen. Wir sind die Vorreiter. Die anderen Bundesländer haben sich drangehängt.
Schreier ging es jedoch nicht um eine Verkürzung der Ausbildungszeiten, ohne die wir „den Anschluss an Europa“ verlieren würden. Dieses, bis heute immer wieder nachgeplapperte Argument, ausgesprochen von einem der 16 deutschen Bildungsminister, wird beim europäischen Nachbarn sicherlich sehr zur Erheiterung beigetragen haben. Denn der deutsche Bildungsföderalismus besteht aus den 16 verschiedenen Bildungssystemen der Länder und wir schaffen noch nicht einmal den Anschluss untereinander geschweige denn europaweit. Es muss außerdem zumindest hinterfragt werden, ob junge Leute schon im Alter von 17 oder 18 Jahren unbedingt sofort studieren müssen, obwohl sie von der Welt noch nichts wissen.

Jedenfalls hatte Schreier mit Sicherheit nicht die saarländische Konkurrenfähigkeit gegenüber den europäischen Nachbarn im Blick, sondern wohl mehr das Sparpotential, das in der Verkürzung der Schulzeit verborgen liegt: nachdem der erste G8-Jahrgang durchgelaufen ist, entfällt die komplette Jahrgangstufe 13 und braucht nicht mehr personalisiert zu werden. G8 begann 2001. Den Jahrgang 13 konnten wir uns jetzt also schon zwei Jahre lang sparen und daran wird im rettungslos überschuldeten Saarland krampfhaft festgehalten. G8 wird nicht abgeschafft sondern allenfalls reformiert.

Gemeinschaftsschule statt G9
Und schließlich gibt es ja auch noch die Gemeinschaftsschule. Der Königsweg für alle, die es lieber etwas gemütlicher haben wollen. Das Abitur mit 9 Jahren ist immer das erste und wichtigste Argument, mit dem für die Gemeinschaftsschule geworben wird. So entsteht der Eindruck, jedes Kind könne Abitur machen. Die Eltern brauchen sich nur zu entscheiden, ob in 8 Jahren am Gymnasium oder in 9 Jahren an der Gemeinschaftsschule. Bei dem Königsweg könnte es sich jedoch auch um einen Holzweg handeln. Etwa 90 Prozent aller Schülerinnen und Schüler der bisherigen Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen schaffen allenfalls einen Hauptschulabschluss oder mittlere Reife. Zu wenig Abiturienten also, um sich glaubhaft als Alternative zu G8 darstellen zu können. Allein die Zusammenfassung dieser beiden Schulformen zu einer abgespeckten Gesamtschule, die sich Gemeinschaftsschule nennt, hindert die Eltern nicht daran, ihr Kind am Gymnasium anzumelden und dabei G8 in Kauf zu nehmen. Der Run auf das Gymnasium dürfte sich im Saarland mangels echter Alternativen in den nächsten Jahren sogar noch verstärken. Das wiederum wird zur Folge haben, dass massenhaft an die Gemeinschaftsschulen abgeschult werden muss. Und damit schließt sich dann wieder der Teufelskreis. Am vielgescholtenen deutschen Ausleseprinzip ändert sich nichts.

Gespielte Entrüstung

Der Aufschrei der CDU gegen die von Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) ins Gespräch gebrachte Gebührenerhöhung für die sogenannte freiwillige Ganztagsschule ist nichts anderes als Verlogenheit und gespielte Entrüstung.

Die zu Zeiten der letzten CDU-Alleinregierung unter Peter Müller entstandene saarländische Form der Ganztagsschule wurde fälschlicherweise durch Gelder des Bundes aus dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung (IZBB)“ finanziert. Sie war niemals etwas anderes als eine reine Nachmittagsbetreuung. Um jedoch die Bundesgelder abrufen zu können, wurde dieser Nachmittagsbetreuung das Etikett „Ganztagsschule“ angeheftet. Der Ausbau echter Ganztagseinrichtungen, wie es das Investitionsprogramm vorsah, wurde schlichtweg ignoriert, weil solche Bildungsinvestitionen Folgekosten für das Saarland verursacht hätten. Wo hingegen das Land für die Nachmittagsbetreuung, die von außerschulischen Trägern durchgeführt wird, die Kosten auf die Eltern abwälzen kann.

Dem damaligen CDU-Bildungsminister Schreier wird demnach klar gewesen sein, dass die Eltern spätestens mit dem Auslaufen des Investitionsprogramms verstärkt zur Kasse gebeten werden müssen. Wenn die CDU sich also jetzt über zusätzliche Elterngebühren aufregt, kann dies nach einem halben Jahr Regierungszeit nur als erster Versuch gewertet werden, sich auf Kosten des SPD-Koalitionspartners zu profilieren. Man wird sehen: nachdem dieses Thema jetzt in der Regierungskoaltion erst mal bis zum Sommer auf Eis gelegt wurde, wird sich nächstes Jahr niemand mehr über die Gebührenerhöhung aufregen …

Gemeinschaftsschule ohne echte Legitimation

 

Die Gemeinschaftsschule von Klaus Kessler und Oskar Lafontaine

 

Ab dem neuen Schuljahr wird es im Saarland nur noch zwei weiterführende Schulformen geben: Das Gymnasium und die Gemeinschaftsschule, in der nun 47 bisherige Erweiterte Realschulen und 16 Gesamtschulen zusammengefasst sind. Diese einschneidende Veränderung der saarländischen Schullandschaft haben wir im Prinzip zwei Personen zu verdanken, die sich damit in erster Linie selbst profilieren wollten.

Konzept der Gemeinschaftsschule abgeschrieben

Klaus Kessler, der ehemalige GEW-Landesvorsitzende, sollte nach Spendenskandal und Wahlbetrug das Image der Saar-Grünen wieder aufpolieren. Er stand unter Erfolgszwang und musste möglichst schnell Ergebnisse liefern. So entstand das hastig zusammengeschusterte Konzept der Gemeinschaftsschule, indem einfach der Text der bisherigen Gesamtschulverordnung übernommen und an einigen Stellen leicht verändert wurde. Auf diese Weise konnte Klaus Kessler sein Lieblingskind Gesamtschule über die Hintertür für alle verbindlich machen, die nicht auf`s Gymnasium gehen.

Der Kuhhandel

Außer den Grünen gab es seinerzeit keine einzige saarländische Partei, die diese Pseudo-Schulreform wirklich wollte. Die Jamaika-Koalitionäre CDU und FDP mussten – teilweise zähneknirschend – zustimmen, weil sie auf die drei Mandate der Grünen angewiesen waren. Die SPD lehnte den Kessler-Entwurf grundlegend ab und auch die Linke distanzierte sich. Zumindest anfangs.

Doch dann kam der zweite Befürworter der Gemeinschaftsschule ins Spiel. Oskar Lafontaine, Fraktionsvorsitzender der Saar-Linke, sah in einer Zustimmung die Möglichkeit, sich und seine Partei wenn schon nicht auf Bundesebene dann zumindest im Saarland als kooperativ darzustellen, bereit, Verantwortung zu übernehmen. Um eine Verbesserung der Schulqualität wird es ihm dabei nicht gegangen sein. Denn Lafontaine machte die Zustimmung zur Gemeinschaftsschule abhängig von der schwammigen Bedingung einer verstärkten Lehrerfeuerwehr, auf die sich Kessler zwar zunächst einließ, die er dann später aber prompt ignorierte.

So gesehen, wird jetzt das gesamte saarländische Schulsystem komplett umgebaut, nur weil genau zwei Personen, die an den Schaltquellen der Macht saßen, dies aus fadenscheinigen Gründen so wollten. Unter diesen Umständen von einer echten Legitimation der Gemeinschaftsschule zu sprechen, muss zumindest angezweifelt werden.

Diese Schulform ist das Ergebnis von Taktiererei und Parteiklüngel. Sie wird nicht von der breiten Bevölkerungsmehrheit getragen, für die sie verbindlich gemacht wurde.

2012: Das bildungspolitische Schaltjahr

2012 wird ein wichtiges Jahr für alle, die im Saarland am Bildungsprozess beteiligt sind. Durch die Einführung der Gemeinschaftsschule (GemS) zum 1. August müssen die Betroffenen (oder besser: Leidtragenden) sich wieder mit einer gravierenden Schulstrukturreform abfinden: Die Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen werden zu Gemeinschaftsschulen (ähnlich den bisherigen Gesamtschulen) zusammengefasst.

Die Begeisterung für diese Reform hält sich bisher trotz des enormen Werbeaufwands deutlich in Grenzen. Die Leute haben es satt, dass immer wieder am Schulsystem rumgedoktert wird und Bestehendes sich nie ungehindert entwickeln kann, weil mit der nächsten Landesregierung schon wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Die Skepsis gegenüber solchen Schulreformen ist im Saarland tief verwurzelt und hat begründete Ursachen. Eltern, Schüler und vor allem Lehrkräfte wissen, dass alle bisherigen vermeintlichen Reformen noch nie zu wirklichen Verbesserungen geführt haben. Und das ist ja auch kein Wunder, denn dieses hektische Streben nach Veränderung war im hoffnungslos überschuldeten Saarland noch nie wirklich auf die Absicht zurückzuführen, bessere Lernbedingungen und Bildungschancen zu schaffen. Tatsächlich standen immer finanzpolitische Erwägungen im Vordergrund. Alle Änderungen am Status Quo brachten zwar Einsparmöglichkeiten aber letztlich keine besseren schulischen Bedingungen. Durch die Einführung von G 8 (Abitur nach 8 Jahren) kann das Land nun den kompletten Jahrgang 13 einsparen. Selbst die Schließung von einem Drittel aller saarländischen Grundschulen unter dem damaligen Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) sollte als Reform verkauft werden. Einsparpotential bot auch die Abschaffung der Hauptschulen und nicht anders ist nun der Ersatz der Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen durch die Gemeinschaftsschule zu verstehen.

Jedoch der Umbau des dreigliedrigen in ein zweigliedriges Schulsystem ist viel weitreichender und gefährlicher als alle bisherigen Eingriffe. Die Einschränkung der Wahlmöglichkeiten auf zwei Schulformen (Gymnasium und Gemeinschaftsschule) könnte dazu führen, dass noch mehr Eltern mit ihren Kindern dem Saarland den Rücken kehren.

Wir werden uns daher im Entstehungsjahr der GemS verstärkt mit allen Aspekten der neuen Schulform auseinandersetzen. Unser nächstes Thema wird sich mit den Entstehungsbedingungen der Gemeinschaftsschule beschäftigen. Dabei wird es vor allem um die Frage gehen, warum die GemS mit Hilfe der Linken etabliert werden konnte. Danach folgt eine Übersicht über die Startbedingungen und die beabsichtigte Ausgestaltung der GemS.

Im Dateianhang dieses Beitrags finden Sie vorab die schon im Amtsblatt des Saarlandes veröffentlichte neue Schulordnung. Ansonsten bitten wir noch um etwas Geduld …

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Der Umgang mit der ungeliebten Konkurrenz

Die Jamaika-Regierung will die Entstehung von Privatschulen erschweren

Die saarländische Landesregierung will die Bedingungen für die Entstehung von Privatschulen verschärfen. Dazu hat Bildungsminister Klaus Kessler am 24. September dem Landtag einen Gesetzentwurf vorgelegt, der mit folgendem Wortlaut beginnt:
„Die privaten Ersatzschulen finden seit einigen Jahren bundesweit einen vermehrten Zuspruch. Das hat zu einer Welle von Gründungsinitiativen geführt, die in den Jahren 2007 bis 2010 auch das Saarland erfasst hat …“ Weiterlesen

Maßvollere Lösung

Geplantes Schulordnungsgesetz ist zumindest ein Fortschritt

Der Entwurf des neuen Schulordnungsgesetzes sieht vor, die bisherige Zweizügigkeitsvorschrift durch die Vorgabe einer Mindestgesamtschülerzahl zu ersetzen. Nach der bisherigen Regelung waren für Grundschulen mindestens zwei und für die weiterführenden Schulen drei Klassen pro Klassenstufe erforderlich (Zwei-/Dreizügigkeit). Künftig gelten für die Klassen 1 bis 4 der Grundschulen 80 Kinder und für die Klassen 5 bis 9 der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen 250 als Untergrenze. Die erst ab dem kommenden Schuljahr entstehenden Gemeinschaftsschulen brauchen diese Mindestschülerzahl erst zum Schuljahr 2016/2017 nachzuweisen. Ihnen bleiben also 5 Jahre Zeit, „um auf der Grundlage eines standortbezogenen pädagogischen Konzeptes für ihr eigenes Profil als Gemeinschaftsschule zu werben“, so Bildungsminister Kessler. Auf diese Weise könnten, abgesehen von zwei Erweiterten Realschulen, alle bestehenden Schulen erhalten bleiben.

Der Entwurf des neuen Schulordnungsgesetzes befindet sich derzeit in der externen Anhörung, die voraussichtlich in der zweiten Oktoberhälfte abgeschlossen sein wird.
Die vorgesehene Regelung ist zumindest ein Fortschritt gegenüber den bisherigen restriktiven Vorschriften, die eigens geschaffen wurden, um seinerzeit die Grundschulschließungen durchführen zu können.
Die ursprünglich geplante Absicht, wie in Rheinland-Pfalz Schulschließungen vom Einverständnis des Schulträgers abhängig zu machen, wurde offensichtlich wieder fallen gelassen.

Schulstrukturdebatte: Bildungsminister Kessler reagiert gereizt

Der Landeselterninitiative für Bildung wird vorgeworfen, gefährdete Schulstandorte in Misskredit zu bringen

Bildungsminister Klaus Kessler reagiert gereizt. Die Landeselterninitiative für Bildung hat in der Samstag-Ausgabe der BILD Saarland eine ganze Reihe von saarländischen Schulen genannt, die nach dem noch geltenden Schulordnungsgesetz in ihrem Bestand gefährdet sind. Kessler wirft der Elternvertretung vor, diese Schulstandorte „durch die namentliche Nennung  zum jetzigen Zeitpunkt unnötigerweise in Misskredit“ zu bringen.

Was soll diese Aufregung? Bereits im August 2009 hat die Elterninitiative eine Liste mit 70 gefährdeten Schulen (23 Grundschulen und 47 Erweiterte Realschulen) veröffentlicht (s. Anhang). Weshalb also diese überzogene Reaktion des Ministeriums zum jetzigen Zeitpunkt?

Die Elterninitiative hat demnach schon frühzeitig auf den Missstand hingewiesen, der es nach unserem geltenden Schulordnungsgesetz immer noch erlaubt, rigoros Schulen zu schließen, wenn sie nicht über zwei aufeinander folgende Jahre durchgängig  an Grundschulen zwei  bzw. an Erweiterte Realschulen drei Jahrgangsklassen bilden können. Unser ehemaliger Ministerpräsident Peter Müller wollte noch vor der letzten Landtagswahl diese Regelung entschärfen. Daraus ist jedoch bis heute nichts geworden.

Es ist verständlich, wenn die Eltern endlich Klarheit darüber haben wollen, wie die saarländische Schullandschaft nach der Zusammenführung von Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen aussehen wird. Denn ganz offensichtlich wurde hier mal wieder im stillen Kämmerlein irgendetwas ausgebrütet, ohne die Betroffenen wirklich mit einzubeziehen. Wie anders lässt sich erklären, dass Kessler, aufgeschreckt durch die Medien, jetzt auf einmal sofort (heute noch) den Entwurf eines neuen saarländischen Schulordnungsgesetzes der Presse vorstellen wird. Man sollte der Landeselterninitiative und auch allen anderen, die von einer Schulneuordnung betroffen wären, nicht zum Vorwurf machen, wenn sie endlich Planungssicherheit wollen.

Wir werden uns den Entwurf des neuen Schulordnungsgesetzes genau anschauen und darüber berichten. Weitere Schulschließungen sind unserer Ansicht nach durchaus möglich. Klaus Kesslers Pressemitteilung vom heutigen Tag lässt nicht Gutes erahnen: Eine „… gleichmäßigere Verteilung der Schülerströme“ soll angestrebt werden. Nach zwei Jahren Jamaika-Regierung würde jetzt auch der Zeitpunkt passen, um noch früh genug vor den nächsten Landtagswahlen in 2014 die unangenehmen Entscheidungen zu verkünden.

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