Das Saarland bleibt bei G8

An G8 wird im Saarland nicht gerüttelt
G8, das achtjährige Gymnasium, wird inzwischen von den meisten Eltern abgelehnt. Ein Bundesland nach dem anderen kippt diese sogenannte Reform oder bietet zumindest G9 als zusätzliche Alternative an.

Im Saarland will man davon nichts wissen. Das ist auch verständlich. Denn der damalige saarländische Bildungsminister Jürgen Schreier (CDU) war in Deutschland der erste, der auf die Idee kam, ein solches Turbo-Abitur einzuführen. Wir sind die Vorreiter. Die anderen Bundesländer haben sich drangehängt.
Schreier ging es jedoch nicht um eine Verkürzung der Ausbildungszeiten, ohne die wir „den Anschluss an Europa“ verlieren würden. Dieses, bis heute immer wieder nachgeplapperte Argument, ausgesprochen von einem der 16 deutschen Bildungsminister, wird beim europäischen Nachbarn sicherlich sehr zur Erheiterung beigetragen haben. Denn der deutsche Bildungsföderalismus besteht aus den 16 verschiedenen Bildungssystemen der Länder und wir schaffen noch nicht einmal den Anschluss untereinander geschweige denn europaweit. Es muss außerdem zumindest hinterfragt werden, ob junge Leute schon im Alter von 17 oder 18 Jahren unbedingt sofort studieren müssen, obwohl sie von der Welt noch nichts wissen.

Jedenfalls hatte Schreier mit Sicherheit nicht die saarländische Konkurrenfähigkeit gegenüber den europäischen Nachbarn im Blick, sondern wohl mehr das Sparpotential, das in der Verkürzung der Schulzeit verborgen liegt: nachdem der erste G8-Jahrgang durchgelaufen ist, entfällt die komplette Jahrgangstufe 13 und braucht nicht mehr personalisiert zu werden. G8 begann 2001. Den Jahrgang 13 konnten wir uns jetzt also schon zwei Jahre lang sparen und daran wird im rettungslos überschuldeten Saarland krampfhaft festgehalten. G8 wird nicht abgeschafft sondern allenfalls reformiert.

Gemeinschaftsschule statt G9
Und schließlich gibt es ja auch noch die Gemeinschaftsschule. Der Königsweg für alle, die es lieber etwas gemütlicher haben wollen. Das Abitur mit 9 Jahren ist immer das erste und wichtigste Argument, mit dem für die Gemeinschaftsschule geworben wird. So entsteht der Eindruck, jedes Kind könne Abitur machen. Die Eltern brauchen sich nur zu entscheiden, ob in 8 Jahren am Gymnasium oder in 9 Jahren an der Gemeinschaftsschule. Bei dem Königsweg könnte es sich jedoch auch um einen Holzweg handeln. Etwa 90 Prozent aller Schülerinnen und Schüler der bisherigen Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen schaffen allenfalls einen Hauptschulabschluss oder mittlere Reife. Zu wenig Abiturienten also, um sich glaubhaft als Alternative zu G8 darstellen zu können. Allein die Zusammenfassung dieser beiden Schulformen zu einer abgespeckten Gesamtschule, die sich Gemeinschaftsschule nennt, hindert die Eltern nicht daran, ihr Kind am Gymnasium anzumelden und dabei G8 in Kauf zu nehmen. Der Run auf das Gymnasium dürfte sich im Saarland mangels echter Alternativen in den nächsten Jahren sogar noch verstärken. Das wiederum wird zur Folge haben, dass massenhaft an die Gemeinschaftsschulen abgeschult werden muss. Und damit schließt sich dann wieder der Teufelskreis. Am vielgescholtenen deutschen Ausleseprinzip ändert sich nichts.

Ein Gedanke zu „Das Saarland bleibt bei G8

  1. Dass unser Bildungsminister am G8 festhalten will, ist verständlich, denn sonst müsste ja ein neues Konzept erarbeitet und etwas bewegt werden. Das widerspricht aber der Arbeitsweise der saarländischen SPD, die mit Arbeit nicht sehr viel am Hut hat – zumindest wenn es um produktive Sachen geht. Saarbrücken geht seit Jahren langsam vor die Hunde, warum nicht auch unser Bildungssystem.

    Offensichtlich fehlt Herrn Commercon auch das 13. Jahr Gymnasium, in dem er noch einiges an sinnvollem Lernstoff hätte verarbeiten können, denn wenn besser gestellte Bundesländer den Unsinn des G8 bereits erkannt haben, folgt er stur weiter dem Pfad Schreiers. „Nach mehr als 10 Jahren sei G8 ja schließlich gut eingeführt“.

    Die Alternative G9 über Gemeinschaftsschule schreit genauso: In den meisten Fällen müssen die Kinder nach der 10. Klasse die Schule wechseln und sich erst einmal in neuen Stoff, evtl. andere Bücher etc. einarbeiten. Hinzu kommen andere Klassenkameraden, neue Lehrer usw. Allein diese Phase frisst die Kapazität, die ihnen das zusätzliche Jahr bringen soll und das geht am Ende zu Lasten des Lernstoffs und der Qualität dieses Abiturs. Es wird ein zweit- bis drittklassiges Abitur bleiben, das vielleicht noch die Qualität einer etwas besseren mittleren Reife hat.

    Die aktuelle Bildungspolitik macht das Saarland (bzw. Deutschland) irgendwann zum dritte Welt Land, denn anstelle die guten Schüler zu fördern und zu fordern, werden aus vermeintlichen Anti-Diskriminierungsgründen Schüler aller Couleur in einen Topf geworfen und sollen sehen, wie sie klar kommen. Wozu gab es Sonderschulen für Schüler mit Lernschwächen, wozu gab es Integrationsschulen? Die einzelnen Schülergruppen müssen nach ihrem Bildungsbedarf ausgebildet werden, sonst nichts. Die vermeintliche Anti-Diskriminierung muss in den Köpfen der Menschen stattfinden, nicht im wahllosen Zusammenwürfeln von verschiedenen Gesellschaftsschichten.

    Ich würde mich für unser schönes Saarland wirklich freuen, wenn wir mal wieder Politiker hätten, die etwas erreichen und bewegen wollen. Leider sitzen in den entscheidenden Ministerien nur arbeitsscheue Steuergeldvernichter, die ihre Diäten nicht wert sind.

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