Autoland ist abgebrannt

Das Saarland muss damit rechnen, seinen wichtigsten Arbeitgeber zu verlieren

Die Dominanz des Autos

Die Saarpolitik spricht auch heute noch voller Stolz vom „Autoland Saarland“. Doch inzwischen ist diese Bezeichnung eher als Schimpfwort für eine verfehlte Strukturpolitik zu sehen, die sich völlig der Dominanz des Autokults verschrieben hat. Auf 1000 SaarländerInnen kommen etwa 700 Autos (Kinder mitgerechnet). Der öffentliche Nahverkehr hingegen muss sich mit einem kümmerlichen Schattendasein begnügen, obwohl es genau umgekehrt sein sollte. Die meisten Menschen im Saarland sind dazu gezwungen, ihre Wege mit dem Auto zurückzulegen. Radfahrer und Fußgänger werden als Verkehrsteilnehmer kaum wahrgenommen. Die saarl. Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) weiß, dass es zu wenig Radwege gibt. Doch es bleibt bei den üblichen Versprechungen, das Radwegenetz „flächendeckend“ auszubauen. Die miserable Radwegesituation ändert sich kaum. Radwege sollen dort entstehen, wo keine Straßen sind. Doch im kleinsten Bundesland mit dem dichtesten Straßennetz bundesweit fehlt für sichere Radwege leider auch der Platz. Radfahrer müssen auf die stark frequentierten Straßen ausweichen und gehen ein hohes Unfall-Risiko ein. Die saarländische Landespolitik hat hier völlig die Entwicklung verschlafen. Auch die rasante Zunahme der E-Bike-Fahrer wurde nicht wahrgenommen bzw. ignoriert. Waren die Radler in dem hügeligen Saarland zuvor noch eine kleine sportliche Minderheit, so hat sich deren Zahl durch das E-Bike gewaltig erhöht. Auch Ungeübte können nun mit elektronischer Hilfe so ziemlich jeden Anstieg bewältigen.

Die vergessenen Verkehrsteilnehmer

Doch es gibt auch noch den Fußgänger, der von allen Verkehrsteilnehmern den meisten Gefahren ausgesetzt ist. Sein Bewegungsspielraum wird hierzulande immer mehr eingeengt. Hatten früher die Kommunen noch streng geahndet, wenn Gehwege von Autos zugestellt wurden, ist inzwischen dieser Zustand schon fast der Normalfall. Wegen der großen Masse von PKWs, für die es weder Stellplatz noch Garage gibt, müssen immer mehr Autobesitzer auf Gehwegen parken. Die Gemeinde drückt ein Auge zu, auch wenn Fußgänger kaum noch Platz haben. Völlig absurd wird es in den Dörfern mit den schmalen Straßen, die in Zeiten entstanden sind, als man an solche Fahrzeugmassen noch nicht gedacht hatte. Da die Autos hier beim Parken eine ganze Straßenseite einnehmen, müssen immer häufiger Wartezeiten und waghalsige Slalom-Fahrten in Kauf genommen werden. 

Leben mit den Baustellen

Der immens hohe Fahrzeugverkehr hat auf den Straßen deutliche Spuren hinterlassen. Große Teile der Autobahnen, die durch das Saarland führen, sind inzwischen Dauerbaustellen. Die Kommunen schaffen es kaum noch, alle Straßenschäden in den Dörfern zu beseitigen. Viele Orte sind nur noch über Umwege zu erreichen. Und oft macht man sich noch nicht einmal die Mühe, diese Umwege zu beschildern und Ortsunkundige landen im Nirwana.

Aufschrei des Entsetzens

Das Saarland hängt am Tropf der Autoindustrie, dominiert von den Ford-Werken Saarlouis und zahlreichen Zulieferern. Doch der vom amerikanischen Mutterkonzern in Detroit gesteuerte Automobilhersteller verliert zunehmend Absatzmärkte und erwägt, den Standort Saarland ganz oder teilweise zu schließen. Das wäre eine Katastrophe für das kleine Saarland, das sich nahezu vollständig von der Autoindustrie abhängig gemacht hat. 

Ford hat erst sehr spät den Einstieg in die E-Mobilität gefunden. Im Saarland baute Ford bisher noch kein einziges Auto mit Elektroantrieb. Daher beschwört die Saarpolitik unisono immer noch den Verbrennungsmotor, der „noch lange nicht ausgedient“ habe und „immer noch zu verbessern“ sei. Daher dürfen auch die schlimmsten Dreckschleudern hier ungehindert durch die Gegend fahren. Es gibt nirgendwo Schutzzonen, in denen eine Umweltplakette erforderlich wäre. Das Saarland ist zudem inzwischen ein Eldorado für zwielichtige Geschäftemacher mit alten Autos, die eigentlich aus dem Verkehr gezogen bzw. verschrottet werden müssten.

Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder wollte sich bei den Abgeordneten der Grünen einschmeicheln und forderte das Ende des Verbrennungsmotors bis zum Jahre 2035. Selbst dieser langfristige Ausstiegstermin verursachte im saarländischen Landtag einen Aufschrei des Entsetzens. Und wieder mal bekundeten die Saar-Abgeordneten geschlossen ihre Solidarität mit dem Verbrennungsmotor.

E-Mobilität ja – jedoch nicht durch Ausbeutung

E-Mobilität ist momentan offensichtlich die einzige Alternative zu Benzin und Diesel, um den CO2-Ausstoß langfristig zu verringern. Doch es muss auch gesagt werden, dass für die Herstellung der Batterien wichtige Rohstoffe wie vor allem Kobalt erforderlich sind. Leider werden diese Rohstoffe häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen zum Teil von Kindern in Entwicklungsländern abgebaut. Diese Ausbeutung muss ein Ende haben. Unser Wohlstand sollte nicht auf Kinderarbeit beruhen!

Wir zahlen mit unserer Gesundheit

Meine Wohnung ist etwa einen Kilometer Luftlinie von der Autobahn entfernt. Als ich hier hinzog, war der Zwischenraum zur Autobahn bewaldet, die Luft sauber und vom Verkehr so gut wie nichts zu spüren. Inzwischen wurde der Wald entfernt, um Bauland zu schaffen. Ich höre den gewaltig gestiegenen Verkehrslärm bis ins Schlafzimmer, und der Staub dringt unaufhaltsam in meine Räume. 

Arno Malburg

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