Zur Lehrersituation im Saarland

Die Lehrer-Feuerwehr – ein Instrument der Hilflosigkeit

Während einer saarländischen Landtagsdebatte zum Thema Unterichtsausfall kritisierte der ehemalige saarländische Bildungsminister und Grünen-Abgeordnete Klaus Kessler den hohen Anteil des strukturellen Unterrichtsausfalls an saarländischen Berufsschulen. Damit gemeint ist Unterricht , der in der Stundentafel vorgesehen ist, jedoch mangels Vertretungskräften nicht gehalten werden kann, also komplett ausfällt. Bildungsminister Commerçon bemühte sich redlich, diese Kritik zu entkräften und verwies auf eine Erweiterung der sogenannten Lehrer-Feuerwehr um 72 Prozent (!) auf 389 Stellen.

Armutszeugnis, aber kein Erfolg

Das sollte eine Erfolgsbilanz sein, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Denn wer den Schulbetrieb kennt, der weiß: wenn solche Aushilfskräfte immer häufiger eingesetzt werden müssen, dann ist die gesamte Unterrichtsversorgung marode. Eine gut personalisierte Schule braucht keine Lehrerfeuerwehr.

Die „mobile Lehrerreserve“ ist eine besonders schlimme Form staatlicher Ausbeutung. Junge Leute mit wenig Erfahrung, meist mit befristeten Billig-Verträgen, werden sozusagen den Schülern zum Fraß vorgeworfen. Sie sind frei verfügbare Lückenbüßer. Man steckt sie mehr oder weniger willkürlich in die Stunden, in denen gerade Lehrer fehlen. Meistens geht es nur darum, die Schüler irgendwie zu beschäftigen. Hauptsache, es steht etwas im Klassenbuch. Feuerwehrlehrer können froh sein, wenn sie – beispielsweise als Schwangerschaftsvertretung – eine Klasse über mehrere Monate hinweg durchgängig unterrichten dürfen. Doch ihr Einsatz ist meist nicht mehr als ein kurzes Gastspiel. Die Kinder wissen das und nehmen keine Rücksicht. Unterrichtsstörungen und Disziplinlosigkeit sind an der Tagesordnung. Die Unterrichtsqualität leidet.

Das Saarland verliert im Länderwettbewerb

Je mehr Feuerwehrkräfte erforderlich sind, desto schlimmer ist es um die Lehrerversorgung einer Schule bestellt. Es gibt dann entweder zu wenig fest beschäftigte Lehrkräfte oder der Krankenstand im Kollegium ist dauerhaft zu hoch. Oft trifft auch beides zu. Hauptursache für dieses Dilemma sind die Schwierigkeiten des Saarlandes, geeignete Lehrkäfte zu finden bzw. zu bezahlen. Viele gut ausgebildete Lehrer, die nicht ortsgebunden sind, gehen in ein anderes Bundesland mit besserer Eingangsbesoldung, mit festem Vertrag und eventuell sogar mit der Zusage einer Verbeamtung. Das hat gravierende Folgen für den saarländischen Bildungsstandort: Der Lehrereinsatz erfolgt hierzulande kaum noch nach pädagogischen Gesichtspunkten. Die Lehrkräfte werden bei der Planung des Schuljahrs oftmals willkürlich verheizt, nur damit die Stundentafel irgendwie eingehalten werden kann. Sie müssen häufiger als in anderen Bundesländern fachfremden Unterricht erteilen (in einem Fach, das sie nicht studiert haben). Oder sie werden überwiegend oder ausschließlich nur in einem arbeitsintensiven Hauptfach eingesetzt, weil dort Fachlehrkräfte fehlen (Beispiel: die Lehrerin für Deutsch und Religion, die aber nur Deutsch unterrichten darf). Zudem erhöhen sich auch die Vertretungsstunden, die zusätzlich vom Stammpersonal gehalten werden müssen.

Teufelskreis

Im Zuge dieser Mehrbelastungen entstehen hohe Unterrichtsausfälle wegen Überforderung und Burnout. Ein Teufelskreis, denn nun sind wiederum mehr Feuerwehr-Lehrkräfte erforderlich. Doch deren verstärkter Einsatz trägt nichts dazu bei, diese personellen Schwierigkeiten zu beseitigen. Im Gegenteil: die Missstände werden zementiert und nach außen hin wird nur der Schein einer funktionierenden Unterrichtsversorgung gewahrt.

Saarländische Schulen brauchen dringend mehr fest beschäftigte und qualifizierte Lehrkräfte in allen Fächern. Die Lehrerfeuerwehr ist zwar billig, aber auf Dauer keine Lösung. Unter diesen Umständen, wie geplant, noch 588 Lehrerstellen einzusparen, wäre sicherlich die schlechteste aller Lösungen.

Dieser Beitrag wurde unter Bildungsqualität, Lehrersituation abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe hier Deinen Kommentar!