Der Landtagspräsident aus der Regionalliga

Der saarländische Landtag hat den bisherigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Meiser zum neuen Landtagspräsidenten gewählt. Leider ging es dabei weniger um das Ansehen der Amtes, um eine würdige Nachfolge des verstorbenen Hans Ley, sondern einzig und allein um den Ämterproporz. Weiterlesen

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130 neue Lehrer für die Grundschulen??

Bildungsminister Ulrich Commerçon rechnet angesichts der hohen Zahl von Flüchtlingskindern für das laufende Schuljahr mit 90 zusätzlichen Klassen. Statt der zunächst vorgesehenen Einsparung von Lehrerstellen sollen nun an den Grundschulen 130 neue Lehrkräfte eingestellt werden. Weiterlesen

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Zur Lehrersituation im Saarland (Teil 2)

Lehrer haben keine Lobby

Haben eigentlich die Lehrer im Saarland schon mal gestreikt? Ich kann mich nicht erinnern. Gründe für den Arbeitskampf gäbe es genug. Wer im Saarland Lehrer wird, muss damit rechnen, in den ersten Berufsjahren bei geringer Lohneinstufung mit Teilzeit- oder befristeten Verträgen abgespeist zu werden. Das Saarland gehört außerdem bundesweit zu den Schlusslichtern, was Klassengrößen und Lehrerarbeitszeit angeht. Kein anderes Bundesland gibt so wenig für seine Schüler aus. Auch der Anteil schwieriger und verhaltensauffälliger Kinder ist überdurchschnittlich hoch.
Die Lehrkräfte schimpfen viel über ihre Arbeitsbedingungen, doch sie tun es meist nur untereinander oder hinter vorgehaltener Hand. Ändern tut sich nichts. Von Streit- bzw. Streikkultur ist an saarländischen Schulen wenig zu spüren.

Miserable Angestelltenverträge oder Verbeamtung?
Diese Zurückhaltung hat jedoch nichts mit Duckmäusertum zu tun. Sie beruht auf ganz konkreten und nachvollziehbaren Ursachen. Der Hauptgrund liegt auf der Hand: 90 Prozent aller saarländischen Lehrer sind Beamte. Sie dürfen nicht streiken. Nebenbei bemerkt: Hier verstoßen die Bundesländer eindeutig gegen geltendes EU-Recht, das Beamten ausdrücklich ein Streikrecht gestattet.
Die verbleibenden 10 Prozent der Lehrkräfte arbeiten daran, ebenfalls verbeamtet zu werden. Sie wollen verständlicherweise so schnell wie möglich aus dem schlecht bezahlten Angestelltenverhältnis rauskommen. Der Unterschied zum Beamtengehalt beträgt bei einer Vollzeit-Stelle mindestens 600 Euro netto. Die Angestelltenverträge des Landes sind zudem in den meisten Fällen Teilzeitverträge, die so schlecht bezahlt sind, dass man davon keine Familie ernähren kann. Wer würde unter diesen Umständen das Risiko eingehen, sich bei der Schulleitung oder beim Ministerium unbeliebt zu machen? Nein, es wird alles geschluckt: die schlechte Bezahlung, der chaotische Stundenplan, der Einsatz in den schlimmsten Klassen.
Glücklich können sich allenfalls diejenigen schätzen, die sogenannte Mangelfächer unterrichten. Das sind Fächer, für die dringend Lehrer gebraucht werden. Solche Lehrkräfte werden oft schon direkt mit einer Verbeamtung eingestellt. Andere müssen warten und hoffen, oft jahrelang. Alles hängt vom Wohlwollen der Landesregierung ab. Hat man die Verbeamtung dann endlich geschafft, verbessert sich zwar die wirtschaftliche Situation, doch damit werden dann auch endgültig alle Möglichkeiten der Selbstbestimmung hinfällig. Nur noch der Staat entscheidet. Arbeitszeitverlängerungen, Lohnkürzungen, Nullrunden, steigende Selbstbeteiligungen bei den Krankheitskosten, Zwangsversetzungen, das alles kann gegen den Willen der Betroffenen verfügt werden. Die Gewerkschaften werden zwar ihren Widerstand anmelden und versuchen, die schlimmsten Nachteile abzumildern. Aber ihre wirksamste Waffe, der Streik, kann nicht eingesetzt werden. Auf diese Weise konnte das Saarland beispielsweise in den letzten 20 Jahren bereits drei mal ohne nennenswerten Widerstand die Lehrerarbeitszeit erhöhen.

Gewerkschaften und Parteienfilz
Die Interessen der Lehrkräfte werden im Saarland durch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie den Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) vertreten. Um allerdings wirklich etwas bewegen zu können, wäre es nötig, dass beide an einem Strang ziehen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Ideologisch verblendet, sieht jeder den anderen vor allem als Konkurrent und man wird nicht müde, sich gegenseitig Unfähigkeit oder Tatenlosigkeit vorzuwerfen. Hier wird das geradezu unerträgliche Parteiengeklüngel in unserem kleinen Bundesland ganz offensichtlich. Die GEW neigt stark zu SPD, der SLLV eher zum konservativen Lager. Daraus entsteht eine irrwitzige Situation: Je nach dem, von welcher Partei das Bildungsministerium geführt wird, schweigt entweder der SLLV oder die GEW. Es fällt auf, dass unter der großen Koalition mit einem SPD-Bildungsminister von der GEW nicht mehr viel zu hören ist. Stellungnahmen zu brisanten Themen werden vermieden. Die meisten Verlautbarungen sind nach folgendem Muster gestrickt: „Wir begrüßen die Entscheidung des Bildungsministers, aber …“ Dann folgen ein paar laue Vorbehalte und – nicht zu vergessen – die abschließende Bemerkung, in der noch die eingeschlagene Richtung gelobt wird. Was hier jedoch einzig und allein stimmt, ist die Parteirichtung. Denn nun ist auf einmal die Rückkehr zu G9 „nicht mehr angebracht“ und es gibt auch nur verhaltene Einwände gegen die Einführung der Inklusion mit der Brechstange

Eine Schulpolitik von oben herab nach preußischem Muster und Gewerkschaften als zahnlose Tiger, verfangen im Gestrüpp des Parteienfilz, sind die schlechtesten Voraussetzungen für die Entstehung guter Bildung. Die Schulen werden von einer Bürokratie verwaltet, die in erster Linie die rigiden Sparvorgaben der Politik umsetzen muss. Klassengröße, Lehrereinsatz, Lerninhalte und Fächerkanon sind strengen Richtlinien unterworfen. Die Lehrkräfte können ihre Arbeitsbedingungen nicht selbst bestimmen, obwohl sie am besten wissen, was nötig wäre. Sie wissen nie genau, was auf sie zukommt und müssen zu Beginn jedes neuen Schuljahrs damit rechnen, dass ihnen wieder neue Aufgaben und Verpflichtungen auferlegt werden. Die längst fällige Wende in der saarländischen Schulpolitik kann nur von innen heraus gelingen. Doch davon sind wir Lichtjahre entfernt.

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Zur Lehrersituation im Saarland

Die Lehrer-Feuerwehr – ein Instrument der Hilflosigkeit

Während einer saarländischen Landtagsdebatte zum Thema Unterichtsausfall kritisierte der ehemalige saarländische Bildungsminister und Grünen-Abgeordnete Klaus Kessler den hohen Anteil des strukturellen Unterrichtsausfalls an saarländischen Berufsschulen. Damit gemeint ist Unterricht , der in der Stundentafel vorgesehen ist, jedoch mangels Vertretungskräften nicht gehalten werden kann, also komplett ausfällt. Bildungsminister Commerçon bemühte sich redlich, diese Kritik zu entkräften und verwies auf eine Erweiterung der sogenannten Lehrer-Feuerwehr um 72 Prozent (!) auf 389 Stellen.

Armutszeugnis, aber kein Erfolg

Das sollte eine Erfolgsbilanz sein, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Denn wer den Schulbetrieb kennt, der weiß: wenn solche Aushilfskräfte immer häufiger eingesetzt werden müssen, dann ist die gesamte Unterrichtsversorgung marode. Eine gut personalisierte Schule braucht keine Lehrerfeuerwehr.

Die „mobile Lehrerreserve“ ist eine besonders schlimme Form staatlicher Ausbeutung. Junge Leute mit wenig Erfahrung, meist mit befristeten Billig-Verträgen, werden sozusagen den Schülern zum Fraß vorgeworfen. Sie sind frei verfügbare Lückenbüßer. Man steckt sie mehr oder weniger willkürlich in die Stunden, in denen gerade Lehrer fehlen. Meistens geht es nur darum, die Schüler irgendwie zu beschäftigen. Hauptsache, es steht etwas im Klassenbuch. Feuerwehrlehrer können froh sein, wenn sie – beispielsweise als Schwangerschaftsvertretung – eine Klasse über mehrere Monate hinweg durchgängig unterrichten dürfen. Doch ihr Einsatz ist meist nicht mehr als ein kurzes Gastspiel. Die Kinder wissen das und nehmen keine Rücksicht. Unterrichtsstörungen und Disziplinlosigkeit sind an der Tagesordnung. Die Unterrichtsqualität leidet.

Das Saarland verliert im Länderwettbewerb

Je mehr Feuerwehrkräfte erforderlich sind, desto schlimmer ist es um die Lehrerversorgung einer Schule bestellt. Es gibt dann entweder zu wenig fest beschäftigte Lehrkräfte oder der Krankenstand im Kollegium ist dauerhaft zu hoch. Oft trifft auch beides zu. Hauptursache für dieses Dilemma sind die Schwierigkeiten des Saarlandes, geeignete Lehrkäfte zu finden bzw. zu bezahlen. Viele gut ausgebildete Lehrer, die nicht ortsgebunden sind, gehen in ein anderes Bundesland mit besserer Eingangsbesoldung, mit festem Vertrag und eventuell sogar mit der Zusage einer Verbeamtung. Das hat gravierende Folgen für den saarländischen Bildungsstandort: Der Lehrereinsatz erfolgt hierzulande kaum noch nach pädagogischen Gesichtspunkten. Die Lehrkräfte werden bei der Planung des Schuljahrs oftmals willkürlich verheizt, nur damit die Stundentafel irgendwie eingehalten werden kann. Sie müssen häufiger als in anderen Bundesländern fachfremden Unterricht erteilen (in einem Fach, das sie nicht studiert haben). Oder sie werden überwiegend oder ausschließlich nur in einem arbeitsintensiven Hauptfach eingesetzt, weil dort Fachlehrkräfte fehlen (Beispiel: die Lehrerin für Deutsch und Religion, die aber nur Deutsch unterrichten darf). Zudem erhöhen sich auch die Vertretungsstunden, die zusätzlich vom Stammpersonal gehalten werden müssen.

Teufelskreis

Im Zuge dieser Mehrbelastungen entstehen hohe Unterrichtsausfälle wegen Überforderung und Burnout. Ein Teufelskreis, denn nun sind wiederum mehr Feuerwehr-Lehrkräfte erforderlich. Doch deren verstärkter Einsatz trägt nichts dazu bei, diese personellen Schwierigkeiten zu beseitigen. Im Gegenteil: die Missstände werden zementiert und nach außen hin wird nur der Schein einer funktionierenden Unterrichtsversorgung gewahrt.

Saarländische Schulen brauchen dringend mehr fest beschäftigte und qualifizierte Lehrkräfte in allen Fächern. Die Lehrerfeuerwehr ist zwar billig, aber auf Dauer keine Lösung. Unter diesen Umständen, wie geplant, noch 588 Lehrerstellen einzusparen, wäre sicherlich die schlechteste aller Lösungen.

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Das Märchen von der G9-Alternative

Gemeinschaftsschulen sollen im Saarland das abgeschaffte G9-Abitur ersetzen

Die Politik hält im Saarland verbissen am Turbo-Abitur G8 fest. Dafür gibt es eine inoffizielle und eine offizielle Begründung. Nachvollziehbar, jedoch völlig unakzeptabel, ist die inoffizielle: Den inzwischen erzielten Spareffekt durch die Abschaffung der Klassenstufe 13 will man sich nicht mehr nehmen lassen. Als offizielle Begründung wird dagegen immer wieder steif und fest behauptet, mit der Gemeinschaftsschule sei ja schließlich eine G9-Alternative vorhanden. Doch diese Behauptung ist schlichtweg eine Täuschung. Eine einheitliche G9-Oberstufe für die Gemeinschaftsschulen ist bis jetzt noch nicht einmal ansatzweise in Sicht. Ein echtes G9 bis zur Klassenstufe 13 wird es für die Gemeinschaftsschulen nach jetzigem (Schulden-)Stand wahrscheinlich niemals geben. Möglich ist allenfalls ein G8 am Gymnasium mit Wiederholung der Klassenstufe 10. Doch damit wird die Gemeinschaftsschule als Alternative („auf Augenhöhe“) zum Gymnasium ad Absurdum geführt. Sie kann nicht zum Abitur führen, wenn dies letztlich nur am Gymnasium absolviert werden kann. Ihr fehlt eine eigene G9-Oberstufenstruktur. Die Abi-Kandidaten der Gemeinschaftsschulen landen überwiegend in den Oberstufenklassen 11 und 12 der Gymnasien, wo dann kein Unterschied mehr gemacht wird zwischen ihnen und den Gymnasiasten. Das ist und bleibt ein G8, wenn auch mit einjähriger Unterbrechung.

Eine echte G9-Alternative bieten lediglich die beiden Oberstufen für die Gesamtschulen in Neunkirchen und Saarbrücken. Dort werden die Schülerinnen und Schüler aus den 10 Gesamtschulen des Regionalverbands Saarbrücken und der Landkreise Neunkirchen und Saarpfalz aufgenommen und konsequent bis zum Abitur in Klassenstufe 13 geführt. Das sind jedoch gerade mal 10 von insgesamt etwa 130 Gemeinschaftsschulen, die ab dem Schuljahr 2018/2019 eine Oberstufe anbieten müssen.

Ein G9-Alternative stellen auch die sogenannten beruflichen Oberstufengymnasien dar. Dabei handelt es sich um Oberstufenklassen, die den Berufsbildungszentren zugeordnet sind und in einem zwei- bzw. dreijährigen Ausbildungsgang zu einer Hochschulreife mit berufsbezogener Orientierung führen. Im Saarland gibt es sieben berufliche Oberstufengymnasien, fünf in den Landkreisen und zwei im Regionalverband Saarbrücken. Ihre Aufnahmekapazität ist jedoch wegen des begrenzten Raumangebots sehr gering.

Die meisten Gemeinschaftsschulen werden demnach nur mit dem (G8-)Gymnasium kooperieren können, um ihren Kandidaten ein Abitur zu ermöglichen. Und das ist ein Abitur in Jahrgang 12. Damit bleibt also mit wenigen Ausnahmen alles bei G8. Es sei denn, die Landesregierung würde bis zum Stichtag noch eine ganze Reihe gemeinsame Oberstufen nach dem Muster der Gesamtschulen etablieren. Doch wer angesichts unserer miesen Finanzlage daran glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen. Wir wissen zwar, dass Investitionen in Bildung sich langfristig auszahlen. Doch solche Erkenntnisse zählen im Saarland schon lange nicht mehr. Es wird daher wohl weiterhin geflickschustert. Das schlagende Argument, die Gemeinschaftsschule könne ein G9-Abitur anbieten, bleibt somit eine Farce.

 

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Auf ein Neues!

Liebe Leserinnen und Leser!

Das neue Jahr verheißt nichts Gutes für die saarländische Bildungspolitik. Die beschlossenen Einsparungen im Schul- und Hochschulbereich haben das Saarland in seiner Bedeutung als eigenständiges Bundesland weiter geschwächt.

Aus Großem Kleinholz machen
Es muss schon als Verzweiflungsakt gewertet werden, wenn gerade dort kräftig gekürzt wird, wo die Zukunft aufgebaut wird. Schulen und Hochschulen sind tragende Säulen unserer Gesellschaft. Die Überlebensfähigkeit des Saarlandes als Bundesland wird nicht durch eine kostenaufwändige Imagekampagne hergestellt, sondern durch optimale Bedingungen für die Menschen, die hier leben, hier arbeiten, hier ihre Kinder in die Schule schicken. Sicherlich muss das Saarland von seinen Altschulden entlastet werden, damit die vom Grundgesetz geforderte Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in den Bundesländern gewährleistet ist. Angesichts der sich häufenden Skandale und Bausünden muss aber auch gefragt werden, ob das Land überhaupt noch fähig ist, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Von einer souveränen Staatsführung ist jedenfalls nicht mehr viel zu spüren. Hier eine kleine Aufzählung der schlimmsten Verfehlungen:

Museumsanbau 4. Pavillion
Das Gebäude gilt inzwischen als Symbol für Misswirtschaft und Korruption. Ursprünglich sollte es 9 Millionen Euro kosten. Inzwischen geht man, die Kosten für den Baustopp seit 2011 eingerechnet, schon von der dreifachen Summe aus. Gründe für die Preisexplosion sind Vetternwirtschaft bei der Auftragsvergabe, vorsätzliche Verschleierung der Kosten und üble Verschwendung von Steuergeldern, was erst der Rechnungshof aufdecken musste. Die politische Aufarbeitung dieses Skandals ist bis heute nicht abgeschlossen.

Gondwana

dinoEin Millionengrab wird wohl auch der Vergnügungspark Gondwana Prähistorium, der vom Land mit Unsummen an Steuergeldern subventioniert wurde. Der Park brachte bisher nicht annähernd das ein, was man sich erhofft hatte. Trotzdem finanzierte die Jamaika-Regierung eine zweite Halle samt Dia-Show mit 9,2 Millionen Euro. Der Betreiber sollte dafür Pacht bezahlen in Höhe von 30.000 Euro monatlich. Doch er zahlte nicht und steht beim Land inzwischen mit mehr als einer halben Million Euro in der Kreide. Auch der aufwändige Ausbau des Parks schafft wohl nicht die erhoffte Resonanz beim Publikum. Und mittlerweile hat sich sogar noch Konkurrenz aus Luxemburg angesagt. Dort soll demnächst ein ähnlicher Vergnügungspark entstehen.

Das ehemalige Kultusministerium

Das ehemalige Bildungsministerium an der Stadtautobahn

Das ehemalige Bildungsministerium an der Stadtautobahn

Das ehemalige französische Botschaftsgebäude des Avantgarde-Architekten Henri-Georges Pingusson, zwischen 1952 und 1954 gebaut, diente dem Saarland ab 1960 als Kultus- bzw. Bildungsministerium. Doch das denkmalgeschützte Gebäude direkt an der Stadtautobahn litt schwer unter dem Zahn der Zeit. In den Anfangsjahren gab es die Stadtautobahn noch nicht und später hatte man sich zunächst noch nicht vorstellen können, wie rasant der Schwerverkehr dort zunehmen würde. Heute brettern tagtäglich Hunderte von schweren LKWs in unmittelbarer Nähe des archtektonischen Schmuckstücks vorbei. In einigen Büros konnte man sogar leichte Erschütterungen feststellen. Doch erforderliche Sanierungsarbeiten wurden solange ignoriert, bis es dann auf einmal zu spät war: Die Statik stimmte nicht mehr, das Gebäude musste gestützt werden und es bestand Einsturzgefahr. Das komplette Bildungsministerium musste im April 2014 in die neu sanierten Räume der ehemaligen Alten Post umziehen. Eine Rückkehr in den Pergusson-Bau war anfangs noch nach 5 Jahren vorgesehen. Doch diese Terminierung ist schon jetzt nicht mehr zu halten. Inzwischen zahlt das Land die Mieten für die Alte Post und zusätzlich noch die Unterhaltungskosten für das leerstehende Gebäude an der Stadtautobahn. Ob das ehemalige Botschaftsgebäude überhaupt jemals saniert wird, steht offenbar noch in den Sternen. Denn auch hier sind ausufernde Kosten zu befürchten. Es kursieren Zahlen in Höhe von 40 Millionen Euro. Die sind wohl nach außen hin nicht vertretbar und daher wird im alten Ministerium wohl noch eine ganze Zeitlang der Kalk von den Wänden rieseln, bis endlich etwas passiert …

Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW)
Hier ist es genau umgekehrt. Das aufwändig sanierte ehemalige Gesundheitsamt an der Malstatter Brücke ist als neuer Standort für die Hochschule für Technik und Wirtschaft bezugsfertig und komplett eingerichtet. Schon im Jahr 2013 sollten mit dem Einzug in das neue Gebäude die bisherigen Raumprobleme der HTW endlich der Vergangenheit angehören. Doch daraus wurde nichts. Bei der Planung des neuen HTW-Hochhauses wurde die Zahl der Studenten, die das Gebäude maximal aufnehmen kann, zu niedrig angesetzt. Deshalb reicht nun der Brandschutz nicht aus. Die Stadt Saarbrücken verweigert die Bezugsgenehmigung. Jetzt gibt es natürlich Streit zwischen Land und Vertragspartner. Doch lässt sich wie in vielen Fällen dieser Art hinterher nicht mehr genau sagen, wer letztlich für den Schildbürgerstreich verantwortlich ist. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Kommunikationpanne. Allerdings mit beträchtlichen finanziellen Folgen. Allein 25 Millionen Euro sollen Bau und Finanzierung gekostet haben. Hinzu kommen monatlich 40.000 Euro für den Betrieb und Unterhalt des ungenutzten Gebäudes sowie Mehrkosten für die erforderlichen Nachbesserungen im Brandschutz in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Und schließlich ist ja auch die vorübergehende Unterbringung von 400 HTW-Studenten der Wirtschaftswissenschaften in St. Ingbert nicht umsonst.

Meeresfischzucht Völklingen

fischzucht

Millionenschwere Fische

Die Stadt Völklingen baute 2006 eine Meeresfischzuchtanlage, die allerdings erst 2014 die ersten Fische liefern konnte. In der Zwischenzeit fielen für den Bau und die Unterhaltung der Anlage etwa 25 Millionen Euro an. Jetzt sollen endlich die ersten Fische verkauft werden. Doch man hatte offensichtlich ganz vergessen, dass dafür auch Abnehmer erforderlich sind. Der Vertrieb wurde quasi bei der gesamten Planung völlig ausgeblendet. Die Fische sind zwar von guter Qualität aber viel zu teuer für den Massenverkauf. Und die Fischbude, die vor der Anlage steht, wird das Verkaufsproblem sicherlich nicht alleine lösen können …

Grabesstille
Die Große Koalition aus CDU und SPD regiert im dritten Jahr ihrer Amtszeit nur noch auf der Basis  des kleinsten gemeinsamen Nenners. Obwohl jedem klar ist, dass die Schuldenbremse im Saarland niemals einzuhalten ist, wird gespart ohne Sinn und Verstand. Neben den Mittelkürzungen für die Universität und dem Stellenabbau bei den Lehrern soll im Saarland nun auch noch die Inklusion zum Nulltarif durchgesetzt werden.

Die erdrückende Mehrheit der Großen Koalition im Landtag lähmt jegliche Initiativen. Die Opposition verkümmert zur absoluten Bedeutungslosigkeit.

Die einzige Kritik an der Bildungspolitik der Landesregierung kommt ausgerechnet von Klaus Kessler, dem ehemaligen grünen Bildungsminister der Jamaika-Koalition. Kessler hofft auf das Kurzzeitgedächtnis der Wähler und kritisiert im Grunde nur die Spätfolgen der verfehlten Entscheidungen aus seiner eigenen Amtszeit.

Ansonsten herrscht Grabesstille. Und dafür sind leider auch die Gewerkschaften verantwortlich, die gerade in der jetzigen Situation eine entschiedene und konsequente Haltung vermissen lassen. Die GEW Saar gibt sich unverbindlich und übt verhaltene Kritik. Sie setzt sich nur noch inhaltlich mit strittigen Themen auseinander und vermeidet es, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Man will niemand auf die Füße treten, schon gar nicht den eigenen Genossen. Schließlich war die GEW hierzulande immer schon so etwas wie ein verlängerter Arm der SPD.

Das Saarland als kleinstes Bundesland leidet ganz besonders an diesem Parteienproporz. Und bei einer großen Koalition ist der Parteienfilz eben besonders groß.
Um so wichtiger wäre die Rolle der unabhängigen Presse. Doch von Unabhängigkeit kann nicht gesprochen werden, wenn es in einem Bundesland nur eine Zeitung gibt, die darüber entscheidet, was geschrieben werden darf. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, also weiterhin an einer inoffiziellen Sicht der Dinge interessiert sind, dann bleiben Sie uns treu und schauen Sie ab und zu mal bei PiSAAR rein. Unterstützen könnten Sie PiSAAR, indem Sie einen Kommentar schreiben. Ansonsten ist und bleibt PiSAAR nach wie vor völlig frei von kommerzieller Werbung. Es geht nur um die Sache. Ärgern Sie sich bitte nicht, wenn auch mal längere Zeit keine neuen Beiträge erscheinen. Leider ist der Blogger auch nur ein Mensch mit ganz normalen alltäglichen Verpflichtungen. Und dabei kommt das Schreiben oftmals zu kurz.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch ein glückliches und zufriedenes Jahr 2015

Muckraker

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G9 jetzt! – Alles andere ist Flickschusterei

Nun hat sich auch im Saarland der Widerstand gegen G 8 (Gymnasium in 8 Jahren) formiert. Die Elterninitiative „G9-Jetzt!“ will ab November innerhalb von 6 Monaten zunächst einmal 5000 Unterschriften sammeln, damit sich der Landtag mit dem Thema G 8 befassen muss. Falls sich die Mehrheit der Abgeordneten dann für die Beibehaltung von G 8 entscheiden sollte, wird ein Volksbegehren angestrebt, um das Turbo-Abitur mit den Unterschriften von 7 Prozent der Wahlberechtigten doch noch zu Fall zu bringen.

Ein dickes Lob gebührt Katja Oltmanns, der Sprecherin der Initiative. Sie muss sich nun auch gegen eine große Zahl von Mitläufern zur Wehr setzen, die plötzlich ihre Meinung geändert haben und nun doch (aus fadenscheinigen Gründen) an G 8 festhalten wollen.

Der Einheitsbrei der Großen Koalition
Die Auseinandersetzung um G8 ist ein besonders trauriges Kapitel saarländischer Bildungspolitik: Aufgrund der politischen Großwetterlage wollen nun viele von denen das Turbo-Abi beibehalten, die sich früher vehement dagegen ausgesprochen hatten. Sogar die GEW macht den Rückzieher und schlägt lediglich vor, das bisherige G8 wieder mal zu reformieren. Auch bei der Landeselterninitiative für Bildung äußert man sich zurückhaltend („Korrekturmöglichkeiten“). Von Streitkultur ist im Saarland nicht mehr viel zu spüren. Der Einheitsbrei der Großen Koalition ist inzwischen bis zu den Interessenverbänden durchgesickert. Angesichts der erdrückenden SPD/CDU-Mehrheit sind viele kritische Stimmen im Land verstummt oder zumindest sehr leise geworden.

Der wahre Grund für G8
Hinzu kommt eine große Portion Verlogenheit. Denn der Hauptgrund, weshalb das Saarland als einziges Bundesland so krampfhaft an G8 festhält, ist der erzielte Spareffekt. Das wird natürlich nicht offen ausgesprochen. Noch scheuen Politiker den Vorwurf, sie wollten auf Kosten der Kinder ihre Haushalte sanieren. Im Saarland, dem ersten G8-Bundesland, sind die Gymnasien bereits im vierten Jahr ohne Klassenstufe 13. Folglich muss für diesen Jahrgang auch kein Personal eingestellt werden. Diesen Spareffekt will man sich hierzulande angesichts der katastrophalen Verschuldung nicht mehr nehmen lassen. Auch dann nicht, wenn viele andere Bundesländer schon längst dazu übergegangen sind, G8 nach und nach abzuschaffen oder zumindest zusätzliche G9-Alternativen anzubieten.

Die vermeintliche Alternative
Nur so kann die Politik sicher nicht gegenüber der Öffentlichkeit argumentieren. Deshalb wird nach außen hin zäh und verbissen die Gemeinschaftsschule als G8-Alternative bemüht: Wer den Stress mit G8 nicht wolle, könne schließlich dort auch in 9 Jahren zur Hochschulreife kommen. Doch diese Rechnung geht so nicht auf. Schuld daran ist das aus den Wirren der Jamaika-Regierung hervorgegangene „Zwei-Säulen-Modell“ mit Gymnasium und Gemeinschaftsschule als „gleichwertige Schulformen“. Inzwischen werden es viele ehemalige Verfechter dieses Modells einsehen (aber nicht zugeben): Es war ein großer Fehler, nur noch zwei weiterführende Schulformen anzubieten. Von Gleichwertigkeit und „Augenhöhe“ kann keine Rede sein. Alle Eltern, die auch nur die geringste Chance sehen, dass ihr Kind Abitur machen könnte (auch ohne Empfehlung), melden es am Gymnasium an. Die Gemeinschaftsschule wird damit zwangsläufig zur neuen Restschule. Ihr fehlen konstant die guten Schüler.
Etwa 50 Prozent aller saarländischen Kinder werden einen Hauptschulabschluss erreichen. Viele schließen mit der Mittleren Reife ab. Nur wenige Schüler der Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen schafften es bisher bis zum Abitur. Für Kinder, die aus dem Raster der verfrühten Selektion rausfallen und dennoch die Voraussetzungen für das Abitur mitbringen, fehlen ausreichende Fördermöglichkeiten. Sie durchlaufen bis zur Klasse 9 einen Unterricht, der sich vorrangig am Niveau der Haupt- bzw. Mittlere-Reife-Schüler ausrichten muss (sie sind die große Mehrheit). Erst in Klasse 10 sollen dann plötzlich die Abi-Kandidaten in den Hauptfächern auf „gymnasialem Niveau“ unterrichtet werden. Wer auf diese Weise in die Oberstufe wechselt, wird es schwer haben. Die Gemeinschaftsschulen werden wohl auch keine eigene Oberstufe bilden können. Dazu müssten zwei Klassen entstehen. Doch das ist illusorisch. Außerdem fehlen die erforderlichen Gymnasiallehrer. Es wird also aller Voraussicht nach zu Kooperationen kommen mit den Gymnasien vor Ort. Wahrscheinlich müssen Gemeinschaftsschüler dann dort die Klassenstufe 10 noch einmal durchlaufen. Wie das alles genau funktionieren soll, weiß noch niemand so richtig. Bisher gibt es nur Versprechungen. Spätestens ab dem Schuljahr 2018/2019 wissen wir mehr. Dann müssen die Gemeinschaftsschulen erstmals eine Oberstufe anbieten…

Siehe auch: Das Saarland bleibt bei G8

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„Neue Freiheiten“ im neuen Schuljahr

„Freiheit ist kein Privileg, das verliehen wird, sondern eine Gewohnheit, die erworben werden muss.“ (Henry George)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

spüren Sie schon etwas von den neuen Freiheiten? Man ist ja in einem rettungslos verschuldeten Bundesland als Bildungs-Blogger quasi der Nörgler vom Dienst. Die frohen Botschaften sind dünn gesät und ein neues Schuljahr beginnt für die Schulen und Lehrkräfte fast immer mit zusätzlichen Belastungen. Doch diesmal war ich zunächst angenehm überrascht:  Die Schulen (Berufsschulen noch ausgenommen) sollen mit neuen Freiheiten ausgestattet werden! An einer solchen Meldung, verbreitet als großformatige Überschrift in der Saarbrücker Zeitung, kann doch nichts Schlechtes dran sein. Doch Sie werden es schon ahnen: der Pferdefuß lässt nicht lange auf sich warten. Bei genauem Hinsehen konnte man der euphorischen SZ-Berichterstattung  auch entnehmen, dass wohl nicht alle so glücklich sind über die neu gewonnenen Rechte. Die Lehrerverbände übten verhaltene Kritik. Das heißt, der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) wagte als einziger, diese Freiheiten in Frage zu stellen. Von der GEW war nichts zu hören. So ganz nebenbei: Wo ist eigentlich die GEW? Falls sie jemand findet, bitte ich um Rückmeldung.

Gegen zusätzliche Freiräume für die Schulen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Damit sie jedoch ausgeübt werden können, entstehen neue Verpflichtungen für das Personal. Und das sind an den Schulen überwiegend die Lehrkräfte. Soll beispielsweise eine neue Pausenregelung eingeführt werden, wird die Schulleitung das sicherlich nicht tun, ohne Eltern, Lehrer und Schüler mit einzubeziehen. Es müssen also Vorschläge erarbeitet werden, Besprechungen finden statt und die neue Pausenregelung sollte von einer breiten Mehrheit aller Betroffenen getragen werden.

Alle zusätzlichen Freiräume und Freiheiten müssen immer wieder erarbeitet und umgesetzt werden. Doch dafür fehlt das Personal. Ich muss daran erinnern: Das „Kerngeschäft“ der Lehrkräfte ist der Unterricht und alles, was damit zusammenhängt (Vorbereitung, Nachbereitung, Korrekturen usw.). Doch ausgerechnet dafür bleibt immer weniger Zeit. Die zusätzlichen Aufgaben nehmen seit Jahren zu. Konferenzen, Dienstbesprechungen, Arbeitskreise, Fortbildungen, Eltern- und Schülergespräche, Klassenfahrten, Zeugnisse schreiben – der Umfang der Zusatzverpflichtungen hat sich inzwischen so aufgebläht, dass der Unterricht darunter leidet. Das Aufgabenfeld eines Lehrers ist heute nahezu beliebig, doch seine Bezahlung richtet sich ganz allein nach der Anzahl der zu unterrichtenden Stunden. Die wiederum wurden  bei uns in den letzten 20 Jahren schon drei mal erhöht und sind bundesweit mit am höchsten. An Gemeinschaftsschulen müssen immer noch 27, an Gymnasien 26 und an den Grundschulen 28,5 Stunden pro Woche gehalten werden. Und zudem: Was rechtfertigt eigentlich die Unterschiede, die hier gemacht werden? Der Unterricht an den Gemeinschaftsschulen ist mit Sicherheit nicht einfacher als am Gymnasium.

Mehr Selbstbestimmungsrechte sind schön und gut. Doch dann muss die Politik auch die erforderlichen Ressourcen für deren Ausübung bereitstellen. Es darf nicht sein, dass den saarländischen Lehrkräften neben der hohen Unterrichtsverpflichtung noch unbegrenzt zusätzliche Lasten aufgebürdet werden können.

Im Saarland wird seit Jahren sehr viel über das Thema Lehrergesundheit geredet. Aber nichts passiert. Es gibt keine Altersregelung für den Übergang in den Ruhestand. Es ist seit langem bekannt, dass bei uns besonders viele Kolleginnen und Kollegen krank oder frustriert das Handtuch werfen und mit großen finanziellen Einbußen vorzeitig in den Ruhestand gehen. Andere flüchten in die Teilzeit, was aber oftmals nicht viel nützt. Dadurch wird nur der Umfang des Unterrichts reduziert. Alle anderen Verpflichtungen (z.B. als KlassenlehrerIn) bleiben bestehen.

Es ist eine geschickte Strategie, von Rechten zu sprechen, jedoch Verpflichtungen zu meinen. Der Regelungsbedarf wird quasi von der Ebene der Verwaltung auf die der Schulen übertragen. Und die  neuen Rechte hören spätestens dort auf, wo`s ums Geld geht.

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Zusatzförderung ist keine Inklusion!

Das Saarland will die Inklusion in einem Hauruck-Verfahren einführen. In einem ersten Schritt wurden mit Beginn des nächsten Schuljahrs zunächst die Grundschulen kurzerhand zu Inklusionsschulen erklärt. Als Rechtfertigung für diese spezielle saarländische Vorgehensweise diente stets der Hinweis auf die Praxis der sonderpädagogischem Zusatzförderung, wie sie schon seit vielen Jahren an Grundschulen und Gemeinschaftsschulen (ehemals Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen) gehandhabt wird.

inklusionDazu wird von den zuständigen Bildungspolitikern der Regierungskoalition immer wieder eine Statistik bemüht, wonach 60 Prozent der Kinder mit Förderbedarf schon bisher an Regelschulen unterrichtet würden. Inklusion, so der Tenor, habe demnach bei uns eigentlich schon immer stattgefunden. Tatsächlich hat jedoch die sonderpädagogische Zusatzförderung rein gar nichts mit Inklusion zu tun. Sie betrifft vorwiegend nichtbehinderte Kinder, die zum Zeitpunkt der Einschulung noch Lernrückstände aufweisen, die ausgeglichen werden sollen. Die Schüler erhalten etwa 2 bis 4 Stunden pro Woche eine Art Nachhilfe, die von Förderlehrern durchgeführt wird. Diese Praxis als Inklusion zu bezeichnen wäre jedoch vermessen, denn sie spielt sich meist außerhalb des Klassenverbands ab und betrifft auch nur die problematischen Fächer (in der Regel Deutsch oder Mathematik). Sie entspricht nicht dem, was die UN-Menschrechtskonvention unter Inklusion versteht und kann allenfalls als Integration bezeichnet werden (s. Bild).

Traue nie einer Statistik …
Die 60-Prozent-Statistik verschweigt darüber hinaus, dass gerade im Saarland der Anteil der Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf besonders groß ist. Und sie verdeckt zudem einen besonders peinlichen Tatbestand: Sonderpädagogische Zusatzförderung findet bei uns weniger an den Grundschulen, dafür aber um so häufiger an den weiterführenden Schulen statt. In vielen Fällen werden Kinder mit Lerndefiziten noch irgendwie durch die Grundschulen durchgeschleust. Erst an der weiterführenden Schule, in Klasse 5, stellt sich dann heraus, dass die Lernrückstände viel zu groß geworden sind. Es gibt daher an den Gemeinschaftsschulen inzwischen Klassen, in denen für mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler ein Antrag auf sonderpädagogische Förderung gestellt werden muss. Hier werden die schwerwiegenden Mängel im deutschen Bildungssystem mit der verfrühten Trennung der Kinder ab dem 10. Lebensjahr besonders deutlich. Denn Förderung sollte so früh wie möglich einsetzen. Sie wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger.

Es geht nur noch ums Geld
Die Stoßrichtung im Saarland scheint eindeutig: Förderschulen sollen so weit wie möglich abgebaut werden, denn sie sind wegen der kleinen Klassen und der aufwändigen Ausstattung wesentlich teurer als die Regelschulen. Die Inklusion dient dabei als Hebel. Sie soll Förderschulen überflüssig machen, ist dabei aber in erster Linie Mittel zum (Spar-)Zweck. Ihre bildungs- und gesellschaftspolitische Bedeutung steht bei uns erst an zweiter Stelle.

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Wer setzt hier die Brechstange an?

Die Ministerpräsidentin äußert sich zur Inklusion

Unkenntnis oder Irreführung? Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) warnt in einem Beitrag für die Zeit davor, Inklusion „mit der Brechstange” durchzusetzen.

Bildungsministerin Annegret Krampp-Karrenbauer

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer

Jetzt müssen wir uns natürlich fragen: Was hat sie anderes getan? Die jetzt gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner SPD für das Saarland beschlossene Inklusionsregelung wurde gewaltsam und ohne ein Mindestmaß an Vorbereitung auf die Schulen übertragen. Schlimmer kann man sich den Einsatz der Brechstange kaum noch vorstellen. Die Grundschulen wurden kurzerhand zu Inklusionsschulen erklärt, obwohl sie räumlich, personell und von ihrer gesamten Ausstattung her völlig unvorbereitet sind. Eltern sollen behinderte Kinder jetzt an den Grundschulen anmelden. Für deren Einschulung in einer Förderschule hingegen muss ein Antrag gestellt werden. Hier wurde eine Regelung mit der Brechstange herbeigeführt, die einzig und allein der Haushaltsnotlage geschuldet ist: Inklusion darf bei uns nichts kosten.

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