Das saarländische G8-Desaster

Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: G8 (das Abitur am Gymnasium in 8 Jahren) war eine gewaltige bildungspolitische Fehlentscheidung. Alle westlichen Bundesländer (sogar das konservative Bayern) kehren zumindest teilweise wieder zurück zu G9.

Zurück zu G9!

72 Prozent der Eltern wollen G8 nicht und an den Universitäten ist man entsetzt über 17jährige jugendliche Abiturienten mit mangelhaften Vorkenntnissen und unzureichenden Vorstellungen von dem, was sie mal werden wollen.
Doch im Saarland lässt man sich davon nicht beeindrucken. Erst recht nicht in einer großen Koalition, die mit 41 von 51 Abgeordneten regiert. Tonangebend in dieser zweiten GroKo ist wieder mal die CDU, die es ganz offensichtlich ablehnt, sich überhaupt mit dem Thema G8 auseinander zu setzen.

Wo ist die Expertengruppe?

Da der Koalitionspartner SPD im Wahlkampf zur Landtagswahl im März zumindest eine teilweise Rückkehr nach G9 in Aussicht gestellt hatte, wollten die Konservativen das hochbrisante Thema nicht einfach ignorieren und signalisierten Gesprächsbereitschaft. Diese fand dann sogar im neuen Koalitionsvertrag ihren Ausdruck und sieht die Bildung einer Expertengruppe vor, die u.a. auch „Fragen zum Thema Schulzeit (G8 / G9)“ aufarbeiten soll.
Acht Monate nach der Landtagswahl frage ich mich nun, wo diese Expertengruppe geblieben ist. Habe ich da etwas verpasst?

CDU setzt auf das Scheitern des Volksentscheides

Mir drängt sich vielmehr der Eindruck auf, dass die Konservativen hier auf dem Rücken der Schüler und Eltern ein ein infames Spiel treiben. Die Schwarzen spekulieren augenscheinlich auf das Scheitern des Volksbegehrens, das die Elterninitiative G9Jetzt! auf den Weg gebracht hat. Die CDU hatte maßgeblich an der Konzeption dieses bürgerfeindlichen Gesetzes  mitgewirkt und das soll offenbar jetzt Früchte tragen. Sie weiß ganz genau, wie schwer es für die Bürgerinitiative ist, das vorgegebene Ziel zu erreichen: G9Jetzt! braucht innerhalb von drei Monaten (bis zum 3. Januar 2018) von den wahlberechtigten Saarländerinnen und Saarländern mindestens 54000 Unterschriften, die in den Wahlämtern der Gemeinden abgegeben werden müssen. Würde die Elternvertretung diese Hürde nehmen, wäre das ein Riesenerfolg. Dann müsste sich auch die CDU bewegen. Die aber setzt weiterhin auf Zeit, obwohl Bildungsminister Commerçon bereits mehrfach eine schrittweise Rückkehr zu G9 in Aussicht gestellt hat.

Bürgerfreundliche Politik sieht anders aus

Vernünftig und fair wäre es, nicht auf den Ausgang des Volksentscheides zu warten, sondern sofort die nötigen Schritte in Richtung G9 einzuleiten.
Die SPD hat das Bildungsressort. Für sie stellt sich hier im Saarland immer drängender die Frage, wie lange sie sich solche Intrigen des Koalitionspartners noch gefallen lassen will. Sie sollte diese unselige Koalition aufkündigen, denn alles, was an den saarländischen Schulen geschieht bzw. nicht geschieht, bleibt letztlich an ihr hängen und nicht an den Bremsern von der CDU, die im Hintergrund agieren – aus der sicheren Deckung von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

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