Die Schmierenkomödie

Der saarländische Landtag hat mit den Stimmen der Großen Koalition eine Rückkehr zu G9 (Abitur an den Gymnasien nach 9 Jahren) erwartungsgemäß abgelehnt. Die Elterninitiative G9-Jetzt! hatte die parlamentarische Auseinandersetzung mit dem Thema erzwungen, nachdem die meisten Bundesländer inzwischen wieder von G8 abgerückt sind und ein G9 zumindest teilweise ermöglichen. Lediglich das Saarland hält bisher stur und verbissen am Turbo-Abitur fest.

Obwohl unter den Regierungsparteien CDU und SPD im Vorhinein schon klar abgesprochen war, alle G9-Bestrebungen strikt zu verhindern, bemühte man sich halbwegs, den Schein zu wahren. Deshalb gab es auch eine Schein-Anhörung im Bildungsausschuss des Landtages mit Vertretern saarländischer Bildungsinstitutionen, die von CDU und SPD sorgfältig ausgewählt wurden, um den Standpunkt der Regierungskoalition zu untermauern. Den Vorsitz der Ausschusssitzung führte der CDU-Abgeordnete Thomas Schmitt, der offensichtlich seine Hauptaufgabe darin sah, die Vertreter von G9-Jetzt! durch unqualifizierte Zwischenfragen aus dem Konzept zu bringen.
Es wäre jetzt müßig, hier alle Beiträge zu kommentieren. Das Protokoll der Ausschusssitzung steht daher unten als Download zur Verfügung.

Überzeugen konnten eigentlich nur die Stellungnahmen der Elterninitiative, vertreten durch die Sprecherin Katja Oltmanns, Prof. Dr. Wilhelm-Mauch (Theoretische Physik, Universität des Saarlandes) und Prof. Dr. Rainer Dollase (Universität Bielefeld, Unterrichtsforschung). Sehr deutlich wurde in deren Ausführungen, dass den Schülerinnen und Schülern mit G8 ein entscheidendes Jahr an Entwicklungszeit verloren geht.

Von den Marionetten der Großen Koalition gab es dagegen kein einziges handfestes Argument für die Beibehaltung von G8. Immer wieder dieselben Phrasen und Plattitüden: man wolle endlich den Schulfrieden, keine neue Strukturdebatten, keine neuen Änderungen. Die gesamte Argumentation der Regierungsseite war rein pragmatisch orientiert und beruhte ausschließlich auf den Faktoren Hörigkeit und Angst. Hörigkeit gegenüber den Regierungsparteien CDU und SPD, die sich darin einig sind, die durch das G8 erzielten Einsparungen nicht wieder aufs Spiel zu setzen. Berechtigte Angst bei den Vertretern der Gymnasien, eine Rückkehr zu G9 ohne zusätzliches Personal und mit den ohnehin schon knappen Ressourcen stemmen zu müssen. Angst bei den Gemeinschaftsschulen, sie könnten das Alleinstellungsmerkmal „G9-Alternative“ verlieren.

Kurz gesagt: es ging in Wirklichkeit nicht um die Sache, sondern um die prekären saarländischen Verhältnisse. Das ganze Schmierentheater war daher vollkommen überflüssig. Ein Satz wie dieser hätte genügt: „Wir sind nicht bereit, mehr Geld in Bildung zu investieren.“ Das wäre wenigstens ehrlich.

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