2012: Das bildungspolitische Schaltjahr

2012 wird ein wichtiges Jahr für alle, die im Saarland am Bildungsprozess beteiligt sind. Durch die Einführung der Gemeinschaftsschule (GemS) zum 1. August müssen die Betroffenen (oder besser: Leidtragenden) sich wieder mit einer gravierenden Schulstrukturreform abfinden: Die Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen werden zu Gemeinschaftsschulen (ähnlich den bisherigen Gesamtschulen) zusammengefasst.

Die Begeisterung für diese Reform hält sich bisher trotz des enormen Werbeaufwands deutlich in Grenzen. Die Leute haben es satt, dass immer wieder am Schulsystem rumgedoktert wird und Bestehendes sich nie ungehindert entwickeln kann, weil mit der nächsten Landesregierung schon wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Die Skepsis gegenüber solchen Schulreformen ist im Saarland tief verwurzelt und hat begründete Ursachen. Eltern, Schüler und vor allem Lehrkräfte wissen, dass alle bisherigen vermeintlichen Reformen noch nie zu wirklichen Verbesserungen geführt haben. Und das ist ja auch kein Wunder, denn dieses hektische Streben nach Veränderung war im hoffnungslos überschuldeten Saarland noch nie wirklich auf die Absicht zurückzuführen, bessere Lernbedingungen und Bildungschancen zu schaffen. Tatsächlich standen immer finanzpolitische Erwägungen im Vordergrund. Alle Änderungen am Status Quo brachten zwar Einsparmöglichkeiten aber letztlich keine besseren schulischen Bedingungen. Durch die Einführung von G 8 (Abitur nach 8 Jahren) kann das Land nun den kompletten Jahrgang 13 einsparen. Selbst die Schließung von einem Drittel aller saarländischen Grundschulen unter dem damaligen Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) sollte als Reform verkauft werden. Einsparpotential bot auch die Abschaffung der Hauptschulen und nicht anders ist nun der Ersatz der Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen durch die Gemeinschaftsschule zu verstehen.

Jedoch der Umbau des dreigliedrigen in ein zweigliedriges Schulsystem ist viel weitreichender und gefährlicher als alle bisherigen Eingriffe. Die Einschränkung der Wahlmöglichkeiten auf zwei Schulformen (Gymnasium und Gemeinschaftsschule) könnte dazu führen, dass noch mehr Eltern mit ihren Kindern dem Saarland den Rücken kehren.

Wir werden uns daher im Entstehungsjahr der GemS verstärkt mit allen Aspekten der neuen Schulform auseinandersetzen. Unser nächstes Thema wird sich mit den Entstehungsbedingungen der Gemeinschaftsschule beschäftigen. Dabei wird es vor allem um die Frage gehen, warum die GemS mit Hilfe der Linken etabliert werden konnte. Danach folgt eine Übersicht über die Startbedingungen und die beabsichtigte Ausgestaltung der GemS.

Im Dateianhang dieses Beitrags finden Sie vorab die schon im Amtsblatt des Saarlandes veröffentlichte neue Schulordnung. Ansonsten bitten wir noch um etwas Geduld …

 Schulordnung der Gemeinschaftsschule

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Archiv

Spam