Französisch um jeden Preis
Erstellt von Arno Malburg am Montag 26. Oktober 2009
Ausweitung des Französisch-Unterrichts geht an der Realität vorbei
Saarländische Kinder sollen nach den Vorstellungen der künftigen Jamaika-Regierungskoalition bereits ab dem ersten Grundschuljahr Französisch lernen. Der derzeit noch Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus Kessler, nannte dies als Ziel der künftigen schwarz-gelb-grünen Bildungspolitik. Kessler ist bildungspolitischer Sprecher der Saar-Grünen und gilt als Kandidat für das Amt des Bildungsministers im Jamaika-Kabinett.
Damit wird im Saarland ein neuer Versuch gemacht, Französisch als erste Fremdsprache zu etablieren und gegenüber Englisch aufzuwerten. Würde Kessler sich an den Schulen umhören, müsste er feststellen, dass diese Bestrebungen völlig an der Realität vorbeigehen. Eltern haben mittlerweile erkannt, das Englisch für ihre Kinder die wichtigste Fremsprache ist. Gerade für die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ist Englisch inzwischen geradezu ein Muss. Wer im EDV-Bereich oder in der Informationstechnik arbeitet, muss zwingend Englisch beherrschen, weil ein Großteil aller Texte nur in englischer Sprache zur Verfügung stehen. Schulen, die in Klasse 5 beide Sprachen anbieten, haben seit langem große Probleme damit, für die Französisch-Klassen ausreichend Kinder zu finden. Englisch-Klassen sind sofort randvoll. Nicht selten werden die Eltern geradezu genötigt, ihr Kind in eine Französisch-Klasse zu stecken.
Unsere Nähe zu Frankreich hat bislang nicht dazu geführt, dass Saarländer deutlich mehr als andere Deutsche Französisch lernen oder sprechen. Das Gegenteil ist der Fall. Viele Kinder tun sich mit Französisch schwer und wählen die Sprache ab.
Mir persönlich ist die französische Sprache auch sympathischer. Englisch ist zwar nicht so schön, aber (leider) wichtiger.
