Saar-Grüne beschließen “Jamaika”
Erstellt von Arno Malburg am Sonntag 11. Oktober 2009
Die saarländischen Grünen haben sich für Jamaika entschlossen. Koalitionsverhandlungen mit CDU und FDP sollen aufgenommen werden. Damit entsteht im Saarland ähnlich wie in Thüringen ein Regierungsbündnis, für das offenbar allein die persönlichen Befindlichkeiten der jeweiligen Parteivorsitzenden ausschlaggebend waren.
Neuer Politikstil?
Geltungssucht steht vor gesundem Menschenverstand. Persönliche Animositäten verdrängen die politischen Inhalte. Ist das der neue Politikstil, an den wir uns gewöhnen müssen? Im Moment sieht es jedenfalls so aus. Da haben wir beispielsweise den thüringischen SPD-Chef Christoph Matschie. Er streitet noch im Wahlkampf voller Inbrunst gegen eine Regierungsbeteiligung der CDU. Jetzt beschließt er Koalitionsverhandlungen mit dem einstigen Gegner, obwohl eine satte Mehrheit mit den Linken möglich wäre, und fällt damit gleichzeitig seiner eigenen Partei in den Rücken.
Und nehmen wir jetzt noch den Vorsitzenden der saarländischen Grünen, Hubert Ulrich. Er macht vor der Landtagswahl immer wieder deutlich, dass die SPD ihm als Koalitionspartner am sympathischsten wäre. Viele Wählerinnen und Wähler haben Angst, die kleine Partei könnte an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und wählen Grün um Schwarz zu verhindern.
Schwarz wird grün
Doch nach der Wahl kommt alles anders. Ulrich lässt sich in den Sondierungsgesprächen von der CDU Zugeständnisse machen, an die kein Mensch ernsthaft glauben kann. Ministerpräsident Peter Müller mutiert auf einmal zum Grünen und akzeptiert jetzt alles, was er früher immer bekämpft hat. Dass von Müllers Versprechungen nicht viel zu halten ist, hat er in den 10 Jahren seiner Regentschaft oft genug unter Beweis gestellt. Jüngstes Beispiel: Schulschließungen sollten von der Zustimmung des Schulträgers abhängig gemacht werden. Groß angekündigt, aber niemals durchgeführt. Die notwendige Änderung im Schulordnungsgesetz fehlt bis heute.
Ulrich hat Rot-Rot-Grün nie ernsthaft in Erwägung gezogen
Doch um nun endgültig alle Brücken zum ehemaligen Wunschpartner SPD abzubauen, setzt Ulrich noch eins drauf: Für ihn ist die Absicht Oskar Lafontaines, als Linken-Fraktionsführer im Saarland zu bleiben, der Versuch, sich als heimlicher Ministerpräsident neben Heiko Maas aufzubauen. Gegenüber Maas ist dies eine unglaubliche Entgleisung, die von dem Vorsitzenden einer Partei kommt, die noch nicht einmal 6 Prozent der Stimmen erreicht hat.
Alle lang angestauten Ressentiments gegen die Linke brechen nun förmlich aus ihm heraus. Vor allem den Wechsel der ehemals grünen Landtagsabgeordneten Barbara Spaniol zu der Links-Partei hat er nie richtig überwunden. Denn seitdem fehlt den Saar-Grünen die kompetente Stimme auf dem wichtigen Feld der Bildungspolitik. Alle, die ihm den Rücken gekehrt haben, hält er für mögliche Verräter in einem Rot-Rot-Grünen Bündnis. Oskar Lafontaine, so Ulrich, solle dieses Problem „aus der Weltschaffen“, sonst werde nichts aus Rot-Rot-Grün.
Doch zu einer Trennung gehören immer zwei. Barbara Spaniol, die immer für Rot-Rot-Grün warb, verließ die Partei erst als Ulrich offenbar schon mit einer Jamaika-Koalition liebäugelte.
Es wird nun Zeit, dass die saarländischen Grünen sich endlich von einem Vorsitzenden lösen, der sie wie einen Tanzbär mit dem Ring in der Nase hinter sich her zieht. Diese Koalition ist Gift für die Grünen – Giftgrün eben.
Arno Malburg


Montag 12. Oktober 2009 um 14:57
Mit dem Ende will ich anfangen:
1. Barbara Spaniol verliess die Grünen, als sie bei den linken bessere Chancen gesehen hat. Wie ich vermute finanzielle Chancen. Denn der Einzu der Linken war sicher der Einzug der Grünen zu diesem Zeitpunkt nicht!
2. Mit Klaus Kessler haben wir eine gleichwertige, ich denke eine bessere Stimme in Sachen Bildung
3. Rot Rot Grün war eine Option vor und nach dem 27.09. Doch wie verhält sich die Linke:
1998: Oskar Lafontaine fordert Sanktionen gegen ALG – Bezieher, da ist Hartz IV harmlos
dagegen; populitisch wettert er heute gegen Hartz IV
2005: Zitat von Oskar: “”Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger und Bürgerinnen zu schützen, er ist verpflichtet zu verhindern, daß Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen.” Mit diesem Zitat beugt sich O.L. weit nach rechts!
2008 und 2009 : Oskar lässt sich von den Bergleuten feiern und gibt den Bergbau in den Sondierungsgesprächen auf
2009/10: Oskar erklärt sich zu seinem Amt im Saarland ohne Maas oder Ulrich anzurufen. Keine Maßnahme um Vertrauen aufzubauen
2009/10: Die SPD – Spitze sagt “…ohne Lafontaine in Berlin ist eine Zusammenarbeit
mit den Linken auf Bundesebene möglich!….” Aber uns werfen sie SPD’ler vor, warum wir mit Oskar nicht zusammenarbeiten
Wer die Ergebnisse der Sondierungsgespräche sieht, dass die “kleine” Partei die Grünen “große” Dinge erreicht hat. Egal mit welchem Partner. Insbesondere, dass die Koalition Jamaika sich im Bundesrat als Gesamtheit für den Atomausstieg einsetzt ist für mich ein Sieg.
Montag 12. Oktober 2009 um 19:45
Nur ein Satz dazu (im Moment fehlt mir die Zeit), später mehr:
Es kann doch nicht sein, dass sich die saarländischen Grünen aus Angst vor Lafontaine ihren größten politischen Gegnern in die Arme werfen.
Arno Malburg
Sonntag 25. Oktober 2009 um 12:48
zur info:
jamaika-filz an der saar
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2252095_0_6369_-koalitionsverhandlungen-im-saarland-jamaika-filz-an-der-saar.html
Sonntag 1. November 2009 um 12:42
ergänzung:
“mobbing bei den saar grünen”
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2260853_0_6774_-streit-um-jamaika-koalition-mobbing-bei-den-saar-gruenen.html
stuttgarter zeitung sonntag aktuell 31.10.09 von wilfried voigt