Ganz oder gar nichts?
Erstellt von Arno Malburg am Sonntag 16. August 2009
Die CDU Saar will “Ganztagsklassen”
Na endlich! Jetzt sollen sie also doch noch ins Saarland kommen: Nach dem Willen der Saar-CDU wird es ab dem nächsten Schuljahr auch bei uns Ganztagsschulen geben. Nein, halt! Wir wollen keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Rede ist von „Ganztagsklassen“. Von denen seien, so die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende und Bildungsministerin Annegret Krampp-Karrenbauer, an den saarländischen Schulen schon 31 in Planung. Und im nächsten Schuljahr entstünden erst einmal drei Ganztagsklassen für (nicht näher genannte) Gymnasien. Ein freiwilliges Angebot, betont die Ministerin.
Man muss sich das wohl so vorstellen: an den betreffenden Gymnasien wird dann eine Klasse gebildet, deren Schülerinnen und Schüler bis mindestens 16.30 Uhr Unterricht haben und dabei qualifiziert betreut werden. Alle anderen jackern im G8-Tempo den Stoff durch wie gehabt. Das wäre dann gewissermaßen die Insellösung: Ganztagsschule in Form einer Klasse innerhalb der normalen Schule. Aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. An echte Ganztagsschulen, wie es sie in den anderen Bundesländern schon lange gibt, kommen wir damit noch nicht ran. Doch es wäre immerhin ein Anfang. Nur, was macht die CDU im Falle eines Wahlsiegs dann mit den bereits eingerichteten sogenannten freiwilligen Ganztagsschulen, bei denen es sich ja im Grunde nur um eine Nachmittagsbetreuung handelt? Beide Modelle, freiwillige Ganztagsschulen und Ganztagsklassen, existieren dann nebeneinander und beide sollen auch laut Wahlversprechen für die Eltern kostenfrei werden. Für welches Modell entscheiden sich die Schulen?
Begriffsverdrehungen fallen zum Glück manchmal auf diejenigen zurück, die davon Gebrauch machen. Hätte sich die saarländische Landesregierung gleich an die korrekte Bezeichnung „Nachmittagsbetreuung“ gehalten, müsste sie jetzt nicht erklären, was mit „ganz“ eigentlich gemeint ist.
Ganz schön peinlich!
Arno Malburg
